Wie Mandrake in die Schachtel kam.
Anfangs machte Mandrake die ungewohnte Körperlage Mühe. Keine Viertelstunde war seit seiner Verräumung vergangen, da machte sich sein gekrümmter, zum Zerreissen gespannter Rücken mit heftigen Schmerzen bemerkbar. Mandrake versuchte sich zu strecken, aber da war nichts zu machen. Die Schachtel war eng. Seine jüngste, unrühmliche Vergangenheit nahm ihm auch den letzten Platz, den es hier drin noch gegeben hätte. Das zerknüllte Papier seiner verunglückten Memoiren stopfte kompakt jeden Freiraum aus.
Mandrake gab sich keinen Illusionen hin. So gründlich hatte er in seiner letzten Mission versagt, dass für Zweifel an der Dauerhaftigkeit seines jetzigen Zustands schlicht kein Platz war. Auch dafür nicht. Er hatte es sich so gründlich mit allen verdorben, einschliesslich seines Chronisten, der seine Arbeit immer aufmerksam verfolgt und – manchmal, das sei zugegeben, etwas schönfärberisch - aufgezeichnet hatte, dass eine Reaktion hatte kommen müssen.
Mandrake hatte sie erwartet, geradezu provoziert, weil er der aufgetakelten Witwen vermögender Unternehmer, der aufgeblasenen, arroganten Sprösslinge jungreicher Familien, der Art und Weise, wie diese mit Menschen aus bescheideneren Verhältnissen umgingen, so müde war, dass er ihnen nicht länger als Anwalt zu Diensten sein mochte. Für Geld konnte man sich alles kaufen? Nun denn, Mandrake hatte sie eines Besseren belehrt, hatte sich kaufen lassen und dafür die sich so sicher wähnende Geldnobilität Rio de Janeiros tüchtig aufgemischt. Die Reaktion erfolgte denn auch tatsächlich prompt, aber – immer dieses “aber”, das, wann immer es in einer Geschichte auftaucht, eine bedrohliche Wendung im weiteren Verlauf der Ereignisse verspricht… – es kam dann doch nicht so, dass er eines Morgens dank einer geschickt durch seinen Kopf geschickten Kugel nicht mehr erwachte oder auf offener Strasse am helllichten Tag von obskuren Gestalten in einen Wagen mit abgedunkelten Scheiben gestossen, ausserhalb der Stadt verfrachtet und auf einem verlassenen Acker ohne Federlesens exekutiert wurde, sondern so. Die schlimmste aller Möglichkeiten: ausrangiert, im Keller verstaut, nicht weggeworfen.
Es gibt Menschen, die hängen an nutzlosen Dingen.
