Ein Blutbad, so grausig (4)



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Gerüchte um einen sagenhaften Silberberg am Rio de la Plata versetzen Europa in helle Aufregung. Portugal und Spanien werfen Armeen auf den amerikanischen Kontinent. Beide Königreiche versuchen verzweifelt, dem
anderen zuvorzukommen und den Schatz für sich zu erobern. Doch noch weiss keiner, wo er sich befindet. Da Cosme Fernandes Pessoa, obwohl Portugiese, die Spanier in ihrer Suche nach dem Silberberg unterstützt, fällt der Gesandte des portugiesischen Königs Martim Afonso im Jahre 1532 über São Vicente her, vertreibt den Schwätzer und seine Indios, besetzt die Stadt und errichtet dort einen militärischen Stützpunkt.
Der Schwätzer, auf seine Insel zurückgeworfen, schwört Rache. Ein Jahr lang schweigt der Schwätzer. Afonso wähnt sich in Sicherheit. 1533 sendet er den Portugiesen Pero Lobo mit 80 Soldaten gen Westen, wo er den Silberberg vermutet. Aber bereits an den Ufern des Iguaçú wird Pero Lobo mit seinen Mannen vom Schwätzer, einigen Spaniern und den Carijó-Indianern überfallen und dahingeschlachtet. Das Blutbad, das sie anrichten, ist so grausig, dass selbst der Schwätzer nicht darüber reden mag.


der schwätzer von cananéia |
Markus A. Hediger am 28.08.2008
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Die dritte Schwester



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Diana Firestone, die siebzigjährige Balletlehrerin aus Phoenix, als Kind mit ihrem Vater aus dem damaligen Russland geflüchtet, Witwe eines Drehbuchautors aus Hollywood und späteren Sozialarbeiters in New York, der sich nach einem Unfall der unerträglichen Kopfschmerzen wegen, die nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus geblieben waren, das Leben nahm, hatte mich - nachdem wir uns stundenlang auf der Porch ihres kleinen Hauses in Youngtown unterhalten hatten - plötzlich, als sei sie von einer unerwarteten Erleuchtung heimgesucht worden, ungläubig angeschaut und gesagt: “Du musst Elana kennenlernen.” Nach einigem Zögern hatte ich den Hörer in die Hand genommen und die Nummer in Long Beach gewählt. Wenig später setzte ich mich ins Auto und fuhr von Phoenix nach Los Angeles.
In ihrem Garten hatte Elana ein Schwitzzelt aufgebaut und als ich ankam, war gerade eine indianische Zeremonie in Gang. Das Haus war voller Menschen, Elana gerade nicht da. Ich fühlte mich etwas verloren zwischen all den fröhlichen, gereinigten Menschen. Ausserdem war ich in Sorge wegen meiner Eltern, die in einem Indianerstamm im Amazonas als Geiseln festgehalten wurden, nachdem ein Missionsflugzeug mit drei Indianern an Bord über dem Urwald abgestürzt war und die Indianer nun Blutrache fordertern. Dann stand Elana plötzlich vor mir, eine kleine, zierliche Frau, so um die 35, mit feurig rotem, hüftlangem Haar, eine Wok-Pfanne in der Hand. Sie blickte mich an und wich mir von da an nicht mehr von der Seite. Als ihre Gäste gegangen waren, machten wir es uns vor dem Kaminfeuer bequem und schwatzten bis zum Morgengrauen miteinander. Wir frühstückten noch miteinander. Beim Abschied umarmte sie mich und sagte mit Tränen in den Augen: “Endlich habe ich meinen kleinen Bruder gefunden.”
Was genau sie damit meinte, was genau dieser Satz in den nächsten Jahren für mich bedeuten sollte, verstand ich an jenem Morgen noch nicht. Vor mir lagen zwei Wochen Einsamkeit in den Wüsten von Kalifornien und Arizona und ich hatte Angst.


katalog der identitäten |
Markus A. Hediger am 27.08.2008
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Ein Gesudel, das Ganze



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Das Leben nicht als Roman begreifen, sondern als Sudelbuch. Ereignisse werden darin zur Notiz, die man später irgendwann einmal wieder aufzugreifen hofft. Aber meist bleibt’s bei diesem einen Eintrag, der vergeblich auf eine Weiterführung oder gar eine Auflösung hofft. Es geht ihm da nicht anders als den tausend anderen Notizen. Nie ins Reine übertragen, bleibt es ein schmutziges, schnell hingeworfenes Leben, und hat zur Folge, dass ich mit mir nie ins Reine komme. Ein Gesudel ist das Ganze, dieses mein Leben.


d'accord |
Markus A. Hediger am 25.08.2008
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