Warme Decken

Decken, Wolldecken hat sie auf dem Dachboden aus-, sich drauf- und weitere Decken, Wolldecken drübergelegt, so dass sie jetzt nicht mehr zu sehen ist. Zu sehen ist nur noch eine Wölbung in der Wolle, ein Spinnfehler in der Decke, eine eingearbeitete Versehentlichkeit. Sie dürfte da gar nicht, längst tot müsste sie sein, denkt sie und öffnet die Augen. Die Decke ist Dunkelheit. Dass sie nichts sieht – das ist gut, noch darf sie, heisst das, träumen. Es ist, als schliefe sie. Wie im Traum ein Wurm kriecht sie zwischen den Decken. Jene, die den Tod mit dem Schlaf vergleichen, haben ja keine Ahnung. Wer schläft, ist nicht tot. Wer tot ist, schläft. So rum. Hin und wieder hält sie inne unter der Decke und horcht in die verwobenen Fasern hinein. Ob sie den Atem des schlafenden Kindes hört, von dem es hiess, es sei unter den vielen Decken erstickt. Es ist nicht tot. Es schläft, mein Kind.

Mato Grosso |
Markus A. Hediger am 06.11.2006
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