Vor der Geburt. Ergänzung. Bio (2)

Nach seiner Verlobung mit meiner Mutter, einer Krankenschwester, verbrachte mein Vater einige Monate in Portugal, wo er Portugiesisch lernen sollte. Die Missionsgesellschaft plante, ihn nach Angola zu schicken. Dort spitzte sich jedoch die politische Lage derart zu, dass an eine Ausreise nicht zu denken war. Da mein Vater bereits einige Brocken Portugiesisch sprach und die Mission auch in Brasilien tätig war, wurden die Pläne kurzerhand geändert. Es folgten vor der Einschiffung ein Sprachaufenthalt in England: In Brasilien würden meine Eltern vor allem mit Engländern und Amerikanern zusammenarbeiten. Mittlerweile hatten meine Eltern geheiratet und Mutter war schwanger geworden.
1964 schliesslich bestiegen sie das Schiff nach Brasilien, doch auf der Reise wurde meine Mutter schwer krank. Heftige Nierenkoliken und ein sich rasant verschlechternder Zustand zwangen den Kapitän, den nächsten Hafen anzusteuern und meine Mutter in die Obhut eines Krankenhauses zu geben. Aufgrund der damals sehr strengen Einreisebestimmungen (kurz vor der Ausreise meiner Eltern hatten sich die Militärs in Brasilien an die Macht geputscht), durfte mein Vater sie nicht begleiten, sondern musste weitere quälende drei Tage auf dem Schiff ausharren, bis dieses seinen Zielhafen in Belém an der Mündung des Amazonas erreicht hatte. Währenddessen lag meine Mutter im 1600 Kilometer entfernten Fortaleza, ohne ein Wort Portugiesisch zu sprechen. Irgendwie gelang es jedoch, eine amerikanische Missionarin in der Region auszumachen, die zu meiner Mutter reiste und bei ihr blieb, bis sie so weit wieder hergestellt war, dass sie auf dem Landweg nach Belém weiterreisen konnte. Dort kam das Kind tot zur Welt und wurde hinter der Sprachschule, die für neun Monate das Zuhause meiner Eltern sein würde, von meinem Vater beerdigt.

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Mutter auf Esel (3.v.r.)


Der Minutenmensch |
Markus A. Hediger am 24.01.2008
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