Rio aus der Ferne

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Vor zwei Tagen machten wir einen kleinen Ausflug nach Niterói, das auf der gegenüberliegenden Seite der Guanabara-Bucht liegt. Kurz nach unserem Eintreffen in Brasilien waren wir schon einmal hier gewesen und hatten mit dem Gedanken gespielt, uns in dieser kleinen Stadt von knapp 500’000 Einwohnern niederzulassen.

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Dann aber hatte uns der Onkel meiner Frau unsere aktuelle Wohnung zur Verfügung gestellt und wir schlugen – vorschnell und von der Aussicht auf mietfreies Wohnen verführt – ein. Das Leben in Rio hat sich als unerträglich herausgestellt. Wer selbst schreibt, weiss, wie wichtig das Umfeld ist, in dem man eine Geschichte ansiedelt.

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Wenn aus der Nachbarschaft nächtlich Schüsse zu hören sind, wenn der Blick aus dem Fenster auf die eine Seite hin zur Christusstatue geht, auf der anderen Seite auf Slums fällt, ist die Fiktion, die man für das eigene Leben erschaffen will, vorgegeben. Bei so vielen Kugeln trifft es früher oder später wahrscheinlich auch mal mich.

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Ich selbst bin in einer Stadt auf dem Land aufgewachsen, in der ich auf der Strasse spielen, alleine an den nahe gelegenen See hinunter konnte. Meine Tochter muss in die Krippe, will sie andere Kinder sehen.

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Ein Haus sahen wir uns in Niterói an mit vier Suiten, drei Aufenthaltsräumen, mehr als 200 Quadratmeter Wohnraum, zuviel für uns und (ein bisschen) zu teuer, aber was mir sofort auffiel: Um das Haus und den Garten war keine Mauer, kein Stacheldraht, keine Überwachungskameras, nur ein hüfthoher Zaun.

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Am Samstag werden wir nochmals hinfahren, uns einige Häuser und Wohnung anschauen. Dass sich unsere monatlichen Ausgaben durch die Miete um einen Drittel erhöhen werden, ist ein kleiner Preis für das Privileg, Rio aus der Ferne sehen zu dürfen.

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Rio aus 13 km Entfernung


Markus A. Hediger am 27.03.2008
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