Prägende Erde. Bio (3)
Nach der neunmonatigen Sprachschule zogen meine Eltern in das Städtchen Caracol, tief im Innern des brasilianischen Nordostens gelegen, wo sie unter sehr einfachen Verhältnissen lebten und arbeiteten. 1967 schliesslich kam meine ältere Schwester in Brasilien gesund zur Welt, im Sommer 1968 kehrte die Familie für einen Heimat- und Arbeitsaufenthalt in die Schweiz zurück. Einige Monate später wurde ich in Schaffhausen geboren, zehn Wochen später ging’s zurück über den Atlantik nach Caracol.

Die Erinnerungen an die ersten Jahre meines Lebens sind geprägt von Bildern einer sehr trockenen Erde, dürren, dornigen Sträuchern, wolkenlosem Himmel.

Es hat nachweislich auch andere Zeiten gegeben, Perioden heftigen Regens, während denen das Land aufblühte, die Bohnenfelder reiche Früchte trugen und die Strassen kaum mehr passierbar waren.

Doch davon, von wolkenschweren Himmeln und Sturzbächen, sind mir nur die Fotos meines Vaters geblieben. Woran ich mich erinnere, sind fröhliche, unbesorgte, regenfreie Jahre. Es mag damit zusammenhängen, dass die erste wirkliche und schmerzhafte Zäsur in meinem Leben mit dem Umzug in das Amazonasgebiet stattfand, wo der Himmel in meiner Erinnerung immer tief und dunkel wolkenverhangen war. Ich sehe mich heute noch im Bett im Schlafsaal der Buben wachliegen, während draussen die Kröten das aufziehende Gewitter ankündigten.


