Leben, entdecke ich
1
Auch wenn die Dinge nicht immer so laufen, wie man sie sich wünscht (oder gerade deshalb): Geschäftige Ernüchterung.
2
Nun hat die Lungenentzündung, die mich im Januar (oder war’s Februar?) plagte, sich im kleinen Brustkorb unserer Tochter eingenistet. Flecken wie heitere, lockere Wolken auf dem Röntgenbild, die sie böse husten machen. Sorge und Weh um das eigene Kind setzen mir zu.
3
Gestern Nachmittag – die Kleine durfte trotzdem in die Krippe, da die Antibiotika bereits Wirkung zeigen und eine Ansteckungsgefahr nicht gegeben sei – gönnten sich meine Frau und ich seit langem wieder einmal eine Kinovorstellung. „Street Kings“, mit Keanu Reeves und Forest Whitaker. Meine Frau mag Action-Streifen, echt.
4
Was mir vom Film blieb: dass die Schüsse, die wir gelegentlich aus den Slums in der Nachbarschaft hören, bei weitem nicht so dramatisch tönen wie im Kino. Dolby Surround oder DTS ist in Wirklichkeit nicht: In Rio pufft es mehr als dass es knallt.
5
Vor einigen Nächten brach der Wassertank auf dem Dach des Nachbarhauses. Ein gewaltiger Wasserschwall donnerte in unseren Innenhof. Seither tropft es die Wand hinunter. Wir haben Meldung erstattet, nichts geschieht. Der einzige Trost: Dengue-Mücken mögen fliessendes Wasser nicht. Auch als wir wegen dem Husten mit der Kleinen im Spital waren – noch immer lange lange Schlangen fiebriger, dehydrierter Menschen. Es müssen jetzt schon über 100’000 sein, die allein in diesem Jahr allein in Rio am Dengue-Fieber erkrankten. Wenigstens scheinen jetzt weniger daran zu sterben, seit auf allen Kanälen intensiv Aufklärungsarbeit geleistet wird. Auf Plakaten heisst es in der ganzen Stadt: Kämpft gegen Dengue!
6
Gegen die Mücken hat man keine Chance. Sinnvoller wäre es, für Hygiene zu werben. In den Gärten und unbebauten Grundstücken liegt Müll, in dem sich Pfützen bilden, in denen sich die Larve der Aedes aegypti ausgesprochen wohl fühlt.
7
Es lässt sich in Rio leben, entdecke ich. Man hat auch hier so seine kleinen Sorgen.




