Huehueteotl und die Biene
Huehueteotl, das Feuer des Lebens, machte gerade seine Einkäufe auf dem Markt, als eine schon etwas in die Tage gekommene Biene geflogen kam.
„Guten Morgen“, grüsste Huehueteotl die Biene.
„Guten Morgen, verehrte Gottheit“, summte die Biene.
„Erlaube mir eine Frage“, sagte Huehueteotl.
„Nur zu.“
„Ich stelle mir diese Frage seit Tagen“, fuhr Huehueteotl dankend fort, „komme aber auf keine Antwort, die mich zufrieden stellt. Deshalb frage ich dich: Bist du glücklich?“
Da wurde die Biene wütend und rief: „Glücklich? Natürlich bin ich nicht glücklich! Um glücklich zu sein, fehlt mir viel. Es fehlen mir meine jungen Tage, es fehlt mir das lange Leben der Götter, ich vermisse meine scharfen Augenlichter und die Art und Weise, wie die Makaken sich um ihre Alten kümmern! Ein Leben lang bin ich dem Glück hinterher geflogen und habe es in der schönsten Blüte, im reifsten Nektar nicht gefunden. Hättest Du mich gefragt, ob es mir gut geht, hätte ich Ja gesagt, denn es gibt ja immer etwas, das gut geht! Ich, zum Beispiel, bin trotz meines hohen Alters mit meinen Flügeln noch ganz gut unterwegs, was sehr viel besser ist als auf meinen sechs Beinen gehen zu müssen! Aber Glück? Pah! Todunglücklich bin ich!“ rief die Biene wütend aus, schlug zum letzten Mal mit ihren Flügeln und fiel tot aus der Luft.
Traurig senkte Huehueteotl den Kopf, trat die Biene in die Erde und kaufte sich einen neuen Kochtopf.
