Geburten. Bio (1)

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Lange habe ich dieses Ereignis als das für mein Leben prägendste erachtet: die Wiedergeburt meines Vaters, seine Bekehrung zum christlichen Glauben, irgendwann in den 50ern, Jahre also bevor ich selbst auf die Welt kam. (Der Begriff “Wiedergeburt” ist in diesem Zusammenhang fast wörtlich zu nehmen: Für meinen Vater gibt es vor seiner Bekehrung kein Leben, sehr selten spricht er über die Jahre davor, gelegentlich eine Anekdote aus dem Krieg, den er als Kind noch erlebte - nicht mehr.)
Diesem Ereignis, in dessen Folge mein Vater dem Ruf in die Mission folgte, verdanke ich den Umstand, dass ich in Brasilien aufwachsen durfte. Ihm verdanke ich aber auch die christliche Erziehung, die zum Teil schrecklichen Jahre im Internat für Missionarskinder und deren Folgen, die lange Zeit eigenen religiösen Fanatismus’ in São Paulo, schliesslich die vielen, vielen Schuldgefühle, die mich auslachenden Dämonen in den Zimmerecken, als ich mit dem christlichen Glauben brach und die Lust entdeckte.
In Bezug auf elterliche Entscheidungen noch vor der eigenen Geburt und deren Einflüsse auf das Leben der Kinder bin ich kein Einzelfall. Jeder hat seine Vorgeschichte, jede Geschichte ein Vorspiel, das die Bühne für den ersten Auftritt der Akteure vorbereitet.
Heute tendiere ich dazu, den Übeltäter nicht in meinem Vater zu sehen, der bloss tat, woran er glaubte, ein im Grunde herzensguter Mensch, sondern eher in anderen, die unglücklicherweise ebenfalls im Namen Gottes auftraten und Schlimmes taten. Darunter auch ich.

Vier Jahre hatten meine Eltern bereits in Brasilien verbracht, als sie im Sommer 1968 in die Schweiz für einen einjährigen Heimataufenthalt zurückkehrten. Neun Monate später wurde ich geboren. Nach weiteren zehn Wochen befand ich mich bereits in Brasilien.

BR | - Und so geschah es |
Markus A. Hediger am 18.01.2008
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