Formexperimente - Bitte um Inputs

Die Faszination fürs Experimentelle in der Literatur hat mich, seit ich Alphonse Allais’ “Un drame bien parisien” in den frühen 90ern erstmals las, nie mehr losgelassen. Es folgten andere Lektüren, neulich erst entdeckte ich Robert Coover. Das blosse Geschichtenerzählen hat mich nie wirklich glücklich gemacht und ständig war ich auf der Suche nach einer mir angemessenen Form. Seit ich in Brasilien lebe, scheint die Distanz zum deutschsprachigen Alltag mir auch eine Freiheit eröffnet zu haben, mich in unbekanntes Terrain zu wagen.
Daraus hervorgegangen ist die Kompositionstechnik meiner >>> Kolumne auf P.-s Veranda, die ersten Texte, mit denen ich (abgesehen von kleineren Details natürlich) wirklich glücklich bin. Es sind autobiographische Texte, ja, aber Ausgangspunkt ist die vom brasilianischen Schriftsteller Nelson Rodrigues entlehnte Form, die ich mit passendem Inhalt fülle. Hier, so glaube ich, ist die Komposition hauptverantwortlich für die Nähe, die der Text erzeugt.
Heute morgen nun schrieb ich die kurze Erzählung “Die Wolke” neu und liess mich dabei vor allem von formellen Vorgaben leiten. Der Plot selbst blieb nahezu unverändert, doch wurde eine weitere Ebene hinzugefügt. Das Resultat gefällt mir formell sehr gut, sie ist stringent und konsequent, die Wirkung ist aber - verglichen mit dem Original und mit den “Rio Rumble"-Kolumnen - eine völlig andere.
Sie dürfen alles dazu sagen, sagen Sie bloss nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.

(Leider ist mein kleines Aufnahmestudio in der neuen Wohnung noch nicht betriebsbereit. Gerne hätte ich auch diese Version eingelesen und sie mit dem ursprünglichen Text auch hörend verglichen.)

>>> Die Wolke (ursprüngliche Version)
>>> Die Wolke (neue Version)


Markus A. Hediger am 26.02.2008
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