Ein Nachmittag im Spital
Die Wonnen eines Privatkrankenversicherten: aus der langen Liste nicht-staatlicher Krankenhäuser das Beste aussuchen, dann mit dem Auto ab in den dichten Stadtverkehr von Rio de Janeiro. Von einer vielbefahrenen Avenida geht es rechts ab durch ein unscheinbares Tor, hinter dem sofort saftiges Grün beginnt: Wiesen, Palmen, Bäume. Man fährt eine mit Kopfsteinpflastern belegte schmale Strasse entlang, einen Hügel hinauf, lässt links eine wunderschöne, weil sehr schlichte Kirche stehen, müht den Wagen weiter den engen Weg hinauf, bis zum Parkplatz, der mitten im Krankenhauskomplex liegt. Auf die eine, unbebaute Seite hin blickt man auf den Corcovado und die Christusstatue. Im Eingangsbereich des Spitals wiederholt sich ein Bild: auch hier ein riesiger Christus, aus Holz diesmal und die Arme nicht segnend ausgebreitet, sondern ausgebreitet weil ans Kreuz genagelt. Das Krankenhaus wird von den Franziskanern geleitet. Alles sehr freundlich, sehr sauber hier. Und sehr ruhig. Aus allen Fenstern geht der Blick hinaus nicht auf die Stadt, sondern ins Grüne mitten in der Stadt. Kurzes Gespräch mit einem Arzt, von ihm abgehört, dann in die Radiologie geschickt, wo innerhalb weniger Minuten das angeforderte Röntgenbild erstellt und digital ins Behandlungszimmer des behandelnden Arztes geschickt wird. Auf dem Bildschirm: das Dunkle ist Luft, das Helle in der Mitte das Herz, die helle Wolke links daneben eine Lungenentzündung.
Eine Lungenentzündung also. 10 Tage Antibiotika, die den giftigen Biestern in meiner Lunge den Garaus machen sollen. Gespannt, wie mein Körper auf die harte Kur reagieren wird. Man hört ja so einiges.


