Die Sachen wieder
1
Es geht mir nicht gut heute. Ich bin entmutigt, ausgepumpt, stehe mit dem Rücken zur Wand. Ich bringe die Kraft nicht auf, mich aufzurappeln und den entscheidenden Schritt zu tun. Den Computer auszuschalten und aus der Tür zu treten.
2
Vor wenigen Stunden noch habe ich versucht, mir Mut zuzureden. Davon ist nichts mehr geblieben, und jetzt, zum ersten Mal, seit wir im November hier ankamen, zweifle ich an der Richtigkeit unseres Umzugs nach Brasilien. Fünf Monate und eine Menge Menge Kohle für die Katz.
3
Ich bin wütend, weil ich mich nicht zu der Klarheit durchringen kann, die ich benötige, um in dieser Stadt aktiv werden zu können. Ich bin wütend, weil ich mich konfus machen lasse von einer Umgebung, die ich nicht verstehe. Gehässigkeit steht mir nicht gut, aber im Moment bin ich ihr ziemlich rat- und hilflos ausgesetzt. So mag ich mich nicht.
4
Ich frage mich auch, ob ich nicht vorschnell ein Kapitel begonnen habe. Habe meine Sachen gepackt und habe die Schweiz verlassen, obwohl ich in der Rekonstruktion meines Lebens noch kaum in der Schweiz angekommen bin. Mindestens fünfzehn Jahre, die ich dort verbrachte, wären noch zu erzählen. Aus jedem Kapitel ergibt sich das nächste, jeder Autor weiss das, woher also nahm ich die Gewissheit, eine Rückkehr nach Brasilien sei nun das Gescheiteste? Vielleicht werde ich, sind die fehlenden Kapitel geschrieben, zum Schluss kommen, dass die Geschichte einen anderen Verlauf verlangt und einem Geschehen zustrebt, das nicht in Brasilien stattfindet?
5
Die Sachen packen? Die Sachen wieder packen?
