Der Besuch

Der Strand ist weder Land noch See. Es ist nicht Land, weil sich hier nichts anpflanzen lässt. Es ist nicht Land doch auch nicht See, obwohl die Wellen, die täglich drüber hinwegfahren, in den Sand ihren Schwung in Form ihrer Gestalt hineindrücken. Wie die Meereswellen sind auch diese Bodenwellen unbeständig und bewegen sich mit dem Wind. Der feine streifen Sand zwischen hohen Klippen (Land) und Brandung (See) ist Hoheitsgebiet der Strandsegler und der Seefahrer. Die Strandsegler erblickten den Schiffbrüchigen zuerst. Sie warnten die Seefahrer mit ihrem Geschrei. Als das Floss in greifbare Nähe geschwemmt war, zogen es die Seefahrer an den Strand. Sie boten dem erschöpften und dehydrierten Makaken etwas Wasser an. Dieser verdrehte die Augen in Dankbarkeit und kratzte sich das Fell. Er erzählte seinen Rettern von der Überfahrt, von der Hitze bei Flaute und von der Verzweiflung im Sturm. Den Seefahrern war ihr Misstrauen gegenüber dem Primaten anzumerken. Erst als er ihnen berichtete, dass er nur durch einen dummen Zufall, durch eine unverzeihliche Unachtsamkeit aufs Meer geraten war, akzeptierten die Seefahrer den Makaken als einen der ihren.

Tasmania |
Markus A. Hediger am 30.11.2006
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