Das Vermächtnis
Auf Labrador gibt es unter den Toten solche, denen die Zeit nicht gegeben war, sechzig Minuten lang zu sprechen. Für sie sprechen die Angehörigen, die Freunde, die Hinterbliebenen. Es sei denn, der Verstorbene habe eine Verfügung unterzeichnet, wonach die Kassette nicht zu besprechen sei. Schiebt man sie in das Abspielgerät, hört man nur ein Rauschen, ein elektromagnetisches Schnaufen, das allemal tröstlicher und ehrlicher tönt als das, was man am Grab sich so erzählt.
Sechzig Minuten darf das Vermächtnis dauern, das man hinterlässt. Die Kassette wird den Bürgern von Labrador am 18. Geburtstag zugestellt. Von da an lebt man für die eine Stunde, die man darauf sprechen wird.
