Das Schlafzimmer
Der Maurer will nur eines: in Ruhe Aussichten schaffen. Er muss die Meute von vier fünf Gestalten, die ihn verfolgt, abschütteln und gleichzeitig dabei darauf achten, dass nicht weitere auf ihn aufmerksam werden. Wenn einer mit einem Eimer Mörtel in der Hand und einem Bauplan unter dem Arm durch die Räume hastet, ist das schon verräterisch genug. Folgen ihm dann auch noch vier fünf dicht auf den Fersen, weiss jeder, der ihn sieht, dass ein neuer Raum entstehen wird.
Er hat alles schon erlebt: Dass Pazifisten ihm den Mörtel klauten. Dass Freischärler, im Bestreben den Raum zu besetzen, bevor er entstand, ihn überfielen und den Bauplan entwendeten. Dass er folglich das Bauvorhaben aufgeben musste, weil ihm die Pläne dazu fehlten.
So führt er seine Verfolger denn in einem riskanten Manöver durch Kriegszonen, in der Hoffnung, der eine oder andere lasse sich in die Kampfhandlungen verwickeln. Oder aber durch ruhige, kaum bewohnte Zimmer, wo die Sehnsucht nach Liebe besonders stark auf Durchgänger wirkt.
Da ist ein Bett. Gegenüber ein Fenster. Gross, weisse Gardinen davor, die dem Sonnenlicht etwas die Schärfe nehmen. Schiebt man sie beiseite, geben sie den Blick frei auf einen Fensterrahmen, auf dem von der Liebe geschrieben ist. Liebe endet immer in Einsamkeit, steht da. Wer liebt, denkt der Leser, ist selber Schuld. Er blickt durch das Fenster in einen üppig blühenden Garten. Darin ist ein Baum, darunter Schatten, darin eine Frau, die bitterlich weint. Sie bemerkt ihn am Fenster, er versteckt sich nicht. Bist selber Schuld, denkt er und dreht sich um. Das Bett ist leer.
