Das Archiv

Die Kassetten, zwei mal dreissig Minuten, werden in der Friedhofskapelle aufgebahrt. Immer wieder sieht man Trauernde die sechzig Minuten Leben in ein Kassettengerät schieben und dem Klang einer verstorbenen Stimme lauschen. Wer mag, kann sich auch eine der unzähligen Kassetten von den Regalen pflücken, die an den Wänden des Gotteshauses entlang in die Ewigkeit laufen. Kopfhörer liegen bereit.
Die Kirche unterhält eine auf die Restaurierung von Tonbändern spezialisierte Abteilung. Kassetten sind sensible Tonträger. Feuchtigkeit setzt ihnen arg zu. Am meisten leiden die Kassetten unter dem gefürchteten Bandfrass. Wenn sich das Magnetband in den Rollen verfängt und in das Gerätinnere gespühlt wird, wo es sich um ineinander greifende Zahnräder wickelt und zerknittert. Seit langem liegt der Antrag auf die Einführung einer neuen Aufzeichnungstechnologie vor. 

Kiruna |
Markus A. Hediger am 15.11.2006
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