Vom Trost und anderen unwahrscheinlichen Dingen

Der dunkle Engel auf seinem Ross biegt sich vor Lachen. Er steht an der Startlinie, die Zügel straff in der Hand. Bald geht die Sonne auf. An seiner Zahl wird man ihn erkennen. Bald geht es los. Das Ende naht. Ich bin sein Geschöpf, erschaffen, um das Ende herbeizuführen. Mir gehen die Worte aus. Doch noch gebe ich mich nicht geschlagen. Ich wiederhole mich. Das ist besser, als zu verstummen. Ich liebe den Klang meiner Stimme, ich liebe die Worte, die mir über die Lippen kommen. Noch bin ich nicht am Ende. Auch wenn ich mich wiederhole. An der Ziellinie wartet bereits der Teufel.

Vom Engel auf dem hohen Ross ist Hilfe nicht zu erwarten. Er will mein Ende. Also wende ich mich an den Teufel. Anders als der Volksglaube nahelegt, interessiert sich der Teufel nicht für den Menschen. Es wird nach dem Ende keinen Kampf um ihre Seelen geben. Die Erde ist ihm eine Last, der Mensch ihm Langeweile, weil das Leben immer auf die gleiche Weise endet. Lasst euch was einfallen! In der Hölle geht es lustiger zu und her! Da sind Heulen und Zähneklappern! Der Teufel gähnt, als er mich sieht. Doch als ich ihm von meinem Leid erzähle, kullert eine Träne aus seinem Auge und kühlt die fiebrige Haut.

Ich sage dir das nur, weil ich den Engel mit seiner siegesgewissen Arroganz nicht ausstehen kann. Das Ende muss kommen, glaubt er, weil jeder Mensch ein Ende hat. Er sollte nachdenken und nicht alles glauben, was man ihm aus zweiter Hand erzählt. Als ich ihm einen Tee in den Sattel reichte, um seine Wartezeit zu verkürzen, suchte ich das Gespräch mit ihm, doch der Engel spricht nicht mit Gefallenen. Das Geheimnis des Lebens ist das einzige, was mich noch auf der Erde hält. Es besteht Hoffnung, sagt der Teufel. Entschuldige meine Neugier.

Auszüge aus einem Text, geschrieben für isla volante

am 02.01.2007

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