Suyá
Wenn sie in die Stadt kommen, mit nackter bemalter Brust, mit Arafedern in der Unterlippe, werden sie gemieden wie räudige Strassenköter und die Ladenbesitzer schliessen ihre Geschäfte, denn ihr Gold wollen sie nicht, ihnen verkaufen sie nichts, an den Missionaren, der sie begleitet, vielleicht, mag sein, doch nicht zum üblichen Preis, diese Kamera hier, zum Beispiel, kostet Sie das Dreifache, ausgerechnet eine Kamera will er haben, dabei mögen die Indios es doch nicht, wenn man sie abknipst und ihre Seelen gefangennimmt in diesem Apparat, doch es ist für den Schamanen, der an den Fotos Rituale vornehmen und Medizin machen kann, ohne dass der Kranke oder Besessene unter den Eingriffen leiden muss, denn jede Krankheit ist eine Krankheit der Seele oder der Geister, ein Rauschen der Wasserfälle, das nicht verstummt, obwohl der Fluss längst vertrocknet ist - auch der Indianer weiss die Annehmlichkeiten zu schätzen, die technologischer Fortschritt bringt.
[Foto: Werner Hediger]