Solche Dinge (4)



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Inzwischen hat sich der Verkehr beruhigt, die Menschen sind zu Hause angekommen, die Wagen stehen in den Garagen und Väter und Mütter, von der Tagesarbeit müde, bereiten in den Küchen das Abendessen zu und schlichten den Streit zwischen ihren Kindern. Gelegentlich fährt noch ein Bus an der Kreuzung vorbei, an der Vinícius mit seinem Krämerwagen steht, und trägt Schwärmer in die Nacht hinein. Das Stadtzentrum mit seinen Nachtclubs und Bars, in denen junge Männer die Kunst der Anmache erlernen und junge Frauen die Lust der Auswahl erleben können, ist nicht weit. Vinícius beobachtet die Gesichter hinter den vorbeifahrenden, hell erleuchteten Fenster und erinnert sich an seine Frau. Dann ist der Bus auch schon vorbeigefahren und die Kreuzung wieder leer. Über seinem Kopf schaltet die Ampel ein letztes Mal um. Rot und Grün erlöschen und weichen für die restliche Nacht dem blinkenden Gelb. Käme jetzt ein Tourist daher, es böte sich ihm ein Bild, das er nicht zu stören wagte: an einer verlassenen Kreuzung ein alter Mann, mit der einen Hand auf einen wunderlichen Wagen gestützt, in dessen Innern ein kleines Lämpchen über tausend kleinen Dingen brennt. Mit der anderen Hand greift er sich an die Brust.

Vinícius’ Frau war keine wehleidige Frau gewesen. Nie hat sie über Schmerzen geklagt, weder über die heftigen Rückenschmerzen, die sie seit der Geburt ihres ersten Kindes plagten, noch über den Schmerz im linken Arm, als sie den Infarkt gehabt hatte. Auch auf der Intensivstation hat sie nicht gejammert, obwohl die Verletzungen zahlreich waren und jeder sehen konnte, dass sie litt. Geduldig hat sie alles ertragen, die vergeblichen Eingriffe der Ärzte, die hilflosen Gesten der Schwestern. Aber als sie kurz vor ihrem Tod die Augen schloss und es dunkel wurde hinter ihren Augen, schrie sie auf. Solche Dinge gehen Vinícius durch den Kopf, während er angestrengt etwas, irgendetwas in der Dunkelheit der gegenüberliegenden Strassenseite zu erkennen versucht. 


am 20.09.2008

*schmunzel*: “… in denen junge Männer die Kunst der Anmache erlernen und junge Frauen die Lust der Auswahl erleben können”

wenn ich von mir ausgehe, habe ich das damals alles gar nicht geschnallt- von außen und mit zeitlichem abstand betrachtet siehts allerdings so aus. dem erfahrenen auge bleibt nichts verborgen und mir scheint, ihr schreibt jetzt schon aufeinander zu- du und Micha. checkst du dafür etwa auch die kneipen, bars und cafes? ;)

Biggy am 20.09.2008 um 14:02
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