Slides (I). Klagelied der Holzfäller

Wir schlagen Holz
und unsre Kinder.

am 18.02.2007

und das holz zerbricht
und unsre kinder auch

euka-pirates am 18.02.2007 um 19:58

wir verheizen uns und unsre kinder
weil wir wärme brauchen.

Markus am 19.02.2007 um 03:51

und weil wir angst haben
vor unsrer angst
und angst
vor unsrer liebe

eukapirates am 19.02.2007 um 13:49

ja natürlich, denn die liebe,
von der wir träumen,
räkelt sich am kaminfeuer.
doch die wahre liebe,
ist voller hinterlist
und lauert hinter bäumen im wald.
deshalb schlagen wir das holz
und unsre kinder auch.

Markus am 19.02.2007 um 13:59

ich glaube, ich träume von einer anderen liebe als sie. meine liebe baut ein nest in der schulter eines eukalyptusbaums und singt ein lied vom sturm, und deshalb säen wir eukalyptussamen und tragen wind in die herzen und ab sofort begehren wir auf, wenn jemand holz schlägt oder kinder, und fahren der katze gegen den strich übers fell und sie faucht genüßlich und räkelt sich vorm kaminfeuer.

euka-pirates am 20.02.2007 um 11:38

ja, ich träume von einer unberechenbaren liebe. in dieser mag ein kaminfeuer durchaus seinen platz haben, aber darin knistert es. und die liebenden, die sich vor dem feuer räkeln, verstehen das knistern als eine ankündigung von neuem, von unerwartetem. liebe, sagt das feuer, brennt.

am 20.02.2007 um 11:57

(p.s.: wenn ich von der liebe schreibe, dann immer im hinblick auf eine geschichte (= dramatische liebe). wenn ich liebe lebe, dann ist mir die geschichte egal (= wirkliche liebe). dann zählt nur das leben. und manchmal, auf wunderbare weise, schreibt das leben die geschichte (= wirklich dramatische liebe).)

am 20.02.2007 um 12:21

jaja. die liebe ist einfach eine wirklich dramatische geschichte. ich stimme vollkommen zu. fazinierend, wie sie das getrennt bekommen, die schreibliebe und die lebensliebe. wenn ich das könnte, wär mein flüge-manuskript schon längst kein manusktip mehr, sondern zwischen zwei buchdeckeln und gedruckt und gebunden… beneidenswert, werter mah!

euka-pirates am 20.02.2007 um 13:06

beneidenswert? ich glaube nicht. diese trennung von schrift und leben schulde ich meiner christlichen erziehung, die es darin bis zur meisterschaft getrieben hat(obwohl sie ja gegenteiliges behauptet).

worauf ich bei all diesem hinauswollte ist: wir schlafen sämtlich auf vulkanen (goethe). nur darum geht es mir: dies nicht zu vergessen.

beneidenswert (zum zweiten)? sie haben manuskripte bereits zwischen zwei buchdeckel gebracht, gedruckt und gebunden. und darin sind sie mir meilenweit voraus - und ich frage mich, ob es nicht gerade daran liegt, dass ich das so gut getrennt bekomme.

Markus am 20.02.2007 um 16:11
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