Schreiben im Netz
1. Das Weblog favorisiert die kurze Form.
2. Die kurze Form verlangt eine eigene Sprache.
3. Es ist eine verkürzte Sprache.
4. Nicht alles wird gesagt.
5. Die Inhalte verschieben sich vermehrt in die Leerstellen zwischen den Worten und hinter die Sätze.
6. Die Schrift spinnt ein Netz, in dem der Inhalt zappelt.
7. Bläst sich der Inhalt zu sehr auf, reisst das Netz.
8. Der vorsichtige Leser ergreift rechtzeitig die Flucht.
(9. Für den Autor kommt jeder Versuch, dem Text zu entkommen, in der Regel zu spät.)
am 27.03.2007
dabei haben es die schreiber noch gut- auf einen text wird die aufmerksamkeit länger verteilt, als auf ein bild, zu dem sich auch noch seltener jemand äußert
10. es sind nicht die vorsichtigen leser, sondern die oberflächlichen, die die kurve am ehesten kratzen (vorsichtige leser gehen nicht ins netz- sie verabscheuen die technik oftmals generell, besitzen keinen pc)
Biggy am 27.03.2007 um 09:38
dies punkte können wir nur bestätigen. erst durch das internet kamen wir überhaupt zum schreiben, da wir der “verlängerten sprache” gar nicht mächtig sind.
@biggy: wieso haben vorsichtige leser keinen pc? also bei uns trifft das nicht zu.
rittiner & gomez am 27.03.2007 um 15:50
vorsichtige kreative ziehen in meinem umfeld handarbeit und direktkontakt vor. das bedeutet vernetzung mit körper und seele- maximal mit telefonischen oder postalischen absprachen.
ich werte das nicht und da nicht jeder zugleich alles ausprobieren kann (höchstens nacheinander), gibt es auch keinen vergleich, was besser ist.
außerdem ist jeder künstler anders gestrickt- je nach anlage und erfahrung breitet er sich in den verschiedenen welten aus oder schmort im eigenen saft.
wie ihr seht, schmore ich auch im netz. richtig sinnerfüllend finde ich es noch nicht, da mir alles, was bildkünstlerischen verbalaustausch noch in den kinderschuhen zu stecken scheint.
man postet seine bilder und ankündigungen und das wars, bekommt maximal ein: hübsch, sehr schön, interessant und das wars. den leuten fehlen die worte.
ihr seid schon länger am start? vielleicht habt ihr bessere erfahrungen mit netzgesprächen über bildkunst?
Biggy am 27.03.2007 um 20:37
@Biggy:
“was bildkünstlerischen verbalaustausch noch in den kinderschuhen zu stecken scheint”
das hat, m.e. damit zu tun, dass die bildsprache eine andere ist als die schriftsprache. wer sich im netz und insbesondere in weblogs umtut und liest, versteht in der regel das geschriebene wort.
die bildsprache hat eine eigene grammatik, eigene regeln. ich sehe zwar, ich erkenne auch, aber ich weiss oft nicht weshalb. über die funktionsweise des wortes hingegen habe ich mir viele gedanken gemacht und mir einiges an theorie hart erarbeitet (war deshalb unter anderem auch an der uni). die schrift ist mir vertraut. ausserdem lässt es sich leichter auf einen beitrag in derselben sprache antworten. vielleicht müsste man bilder mit bildern kommentieren.
rittiner & gomez sind so lieb, den betrachtern ihrer bilder einen text als krücke beizugeben. wenn sie sich dort die kommentare anschauen, wird oft die von den künstlern angerissene geschichte von den lesern in den kommentaren einfach weitergesponnen. sie reagieren sehr oft auf den text. ihnen ist das bild einfach eine krücke, eine zusätzliche quelle der inspiration. die bilder, für sich genommen, wären sehr viel schwieriger zu deuten, sie sind dort nie eindeutig, man könnte aus ihnen jeweils mindestens ein dutzend geschichten extrahieren.
ich habe >>> hier einmal den versuch gemacht, bilder (ohne text) von rittiner & gomez mit einer geschichte zu interpretieren. es wären tausend anderer geschichten denkbar.(die bilder sind - gerade wegen ihrer offenheit - viel besser als mein text.)
Markus am 28.03.2007 um 03:51
Danke für den Link, Markus, und die ausführliche Antwort- ich denke, ich melde mich bald noch ausführlicher dazu… (da mich das Thema sehr beschäftigt) wenn mich meine Arbeit und der liebe Herr P. mal wieder zur Ruhe kommen lassen.
LG
Biggy
Biggy am 29.03.2007 um 16:03
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