Sandra Dir. “Reise ins Wasser” (8)

An der Uni profilierte sich Eliana als Friedensaktivistin und ging für Bürgerrechtsbewegungen auf die Strasse. An vorderster Front marschierte sie mit, protestierte gegen Polizeigewalt, während Schlagstöcke auf die demonstrierende Menge einschlugen. Schläge, Verhaftungen, die Nächte in der Zelle – diesen Preis zahlte sie gerne für die Linderung, die ihr der Einsatz für die Rechte anderer brachte. Konnte sie ihre unbändige Energie für eine sinnvolle Arbeit nutzen, floss die Hitze durch ihren Körper und floss hinaus, was sie erträglich machte. Hatte sie sich früher wie ein Meiler gefühlt, in dem sich die heissen Gase stauten und ihre Innereien verkohlten, war es jetzt eher wie ein Feuer an einer gut durchlüfteten Stelle, das gleichmässig und kontrolliert vor sich hin brannte und eine angenehme Wärme erzeugte. Auch ihre Sprache hatte mittlerweile ihre Heiserkeit abgelegt. Ihre Rede war zwar nach wie vor feurig und korrespondierte wunderbar mit ihrem feuerroten langen Haar, wenn sie – das Megafon in der Hand – das Wort an einer Kundgebung an die Massen richtete, aber jetzt lachte sie manchmal sogar. In den Semesterferien besuchte sie ihren Vater für einige Tage und dann klopfte auch Bret schon an die Tür, mit einer Blume und zwei Eintrittskarten für einige ruhige Stunden im Kino in der Hand. Wenn sie wieder abreiste, fragte er sie: „Wie lange dauert dein Studium noch?“ oder: „Wann kommst du wieder heim, Eliana?“

am 17.05.2007

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