“Rádio Bancoc” - das Vorspiel (2)
„Rádio Bancoc“ spielte in den 70er-Jahren, in jenen Jahren also, da die Militärdiktatur das Land eisern im Griff hatte und jede Opposition rücksichtslos niederschlug. Mário Lolamungo, gespielt vom Frauenschwarm Marcelo Gado, von der Boulevardpresse liebevoll auch „Viehtreiber“ genannt, lebte in seinem verlotterten VW-Bus, Jahrgang 62, von denen es heute kaum noch welche auf den Strassen Rios gibt und entdeckte ich einen, kaufte ich ihn sofort seinem Besitzer ab und restaurierte ihn liebevoll, und aus dem heraus er auf wechselnden Frequenzen seine Sendungen von Rios Hügeln hinab in die Stadt ausstrahlte. Was „Rádio Bancoc“ auszeichnete, war die ausgesprochen regierungsfreundliche Haltung des Sprechers. Kein kritisches Wort, kein vorsichtig angebrachter Rat ans Militär, dieses oder jenes doch eher so oder so durchzusetzen, kein Bedauern über diese oder jene negative Folge dieser oder jener Massnahme für die Intellektuellen des Landes – ganz im Gegenteil: Lolamungo lobte ausdrücklich die Zensur, befürwortete die Folter, von der das Volk ja nur hinter vorgehaltener Hand sprach, befürwortete die Tortur, der die Regierungskritiker unterzogen wurden, und freute sich, wenn einer nach seiner nächtlichen Gefangennahme durch den Geheimdienst nicht mehr auftauchte. So stumpf unkritisch war seine promilitärische Haltung, dass im Volk schon bald erste Zweifel an Lolamungos Aufrichtigkeit aufkamen. Die staatliche Zensur, wie immer etwas langsamer, wurde erst hellhörig, nachdem Lolamungo ihr Angebot, auf einer legalisierten Frequenz zu senden, ausschlug.

