Nachrichten aus der Heimat

Die Erhaltung der Sprache und ihre Verteidigung gegen das Unbedeutende. Aus dem Radio tönen Nachrichten aus der Heimat. Der Tod ist isoliert, Exekutionskommandos mit Flammenwerfern stehen bereit. Die Sprache umkreist das endgültige Aus, jedes Wort strebt auf sein Grab zu. Wer hat dieses Empfinden, es gäbe ein Ende, es gäbe etwas, worauf nichts folgt, in die Welt gesetzt?
“Ohne Tod gibt es keine Bedeutung”, schreibt Bellelli nach seiner Begegnung mit Sara. Ich verstehe diese Aussage nicht. Hat Bellelli sein Gewehr wiedergefunden?
Seit Monaten berichtet der Nachrichtensprecher von der unmittelbar bevorstehenden Auslöschung des Todes. Er beschreibt die Methoden und Mechanismen, durch die der Tod in einen sprachlichen Isolationsraum gelockt werden könne. Bedeutungszusammenhänge müssten erst gelockert, dann durchtrennt werden. Niemand könne den Tod beschreiben. Niemand habe den Tod erlebt und sei danach in der Lage gewesen, darüber zu sprechen. Sprache schreite in der Zeit voran. Der Tod setze ihr ein Ende. Deshalb sei es so schwierig. Man müsse Geduld haben. 

am 21.12.2006

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