Mandrake wird verschachtelt
Mandrakes besten Jahre sind vorbei. Seit langem. Er selbst ist nur noch Geschichte, verblassende Erinnerung. Seine Karriere nahm vor langer Zeit ein abruptes Ende, als das Schild mit seinem Namen von der Tür seiner Anwaltskanzlei geschraubt wurde und er den Befehl erhielt, sich auf den Boden zu legen, die Augen zu schliessen und sich ganz locker zu machen. Dann ging alles sehr schnell. Er spürte, wie er ohne jede Sentimentalität zusammengefaltet wurde, der Oberkörper auf die Schenkel, der Kopf zwischen die Knie, die Arme an den Rumpf, dann die Beine angewinkelt, als sollte er in die Hocke. Schliesslich griff jemand von hinten um seinen Körper, packte ihn – Mandrakes Rücken an seinen Bauch gepresst – an den Schienbeinen und hob ihn an. Nur kurz, dann wurde er herabgesenkt. Am Scheitel, an den Fusssohlen (man hatte ihn, bevor er sich hinzulegen hatte, gebeten, die Schuhe auszuziehen) und an den Armen, spürte er einen Widerstand wie von Karton, der auf Druck etwas nachgab. Bleib so, hiess man ihn, es war plötzlich eng geworden und Mandrake konnte sich eh nicht bewegen. Er hörte, wie Papier zerknüllt und in die wenigen Leerräume gestopft wurde, die zwischen Rumpf und Gliedern noch vorhanden waren. Es musste sich beim Papier um das Manuskript seines letzten, völlig missratenen Falles handeln, denn etwas anderes wäre in seinem Anwaltsbüro nicht zu finden gewesen, ausser vielleicht den alten, liebevoll gerahmten Zeitungsauschnitten an der Wand hinter seinem Schreibtisch, die von Mandrakes Erfolgen aus besseren Zeiten erzählten.
Deckel geschlossen und verklebt, steht die Schachtel jetzt im Keller zwischen anderen Schachteln voller Dinge, von denen keiner genau sagen kann, weshalb sie nicht längst entsorgt worden sind.