Kriterien einer Schöpfung
Seine Welt mit wenigen Schritten durchmessend, berechnete Raimaran, dass 85 kleine Dinge darin Platz fänden. Das war nicht viel. Für einen kurzen Moment erfasste ihn Panik, als ihn der Gedanke streifte, die 85 Dinge, aus der sich seine Welt ergeben sollte, wollten aus der unendlich grossen Auswahl, die ihm zur Verfügung stand, sorgfältig und überlegt ausgewählt sein. Doch Raimaran war ein pragmatischer Mensch. Er glaubte an den Zufall und an die Neugierde. So trat er vor die Tür und an den Haufen Krempel, den er tags zuvor hinausgeschafft hatte, und holte den Fernseher wieder herein. Auf Discovery Channel, erinnerte er sich, wurden alle Dinge dieser Welt gezeigt. Eine elegante Methode, dachte er, den räumlichen Beschränkungen seiner Welt ein Schnippchen zu schlagen und die Erde und alles, was auf und in ihr war, in seine Wohnung zu holen. Er schaltete das Gerät ein, legte sich auf seine Pritsche und sah sich erst eine Sendung über Erdmännchen an, dann eine andere über die gewaltigsten Stürme der Erdgeschichte. Als schliesslich Bilder verschiedener Entwicklungsstadien des menschlichen Embryos über den Bildschirm flatterten und Raimaran sich gewahr wurde, dass er das, was über die Erdmännchen eine Stunde zuvor gesagt worden war, bereits wieder vergessen hatte, merkte er, dass das nicht die Welt war, wie er sie sich wünschte. Er wollte sie um sich haben, sie anfassen und jederzeit beschauen können. Das aber, erkannte er, würde ihn zwingen, sich zu beschränken und seiner Auswahl Selektionskriterien zugrundezulegen. Denn Wolken, zum Beispiel, hatten keinen Platz in seiner Welt.