Herr Kandells Rendezvous
Wie ein Terrarium. So steht das Glashaus mitten in der Berner Innenstadt. Herr Kandell hat Glück gehabt. Den ganzen Tag ist er durch die Stadt gefahren. Gegen Abend dann, Herr Kandell wollte schon aufgeben, da stand sie plötzlich vor der Glasscheibe und lachte ihn an. Wie schön doch die Bernerinnen sind, denkt er. Als es Nacht wird, zündet er ein Lichtlein an und richtet die Lampe auf die schöne Frau. Sie klopft an die Scheibe und macht ihm mit Gesten klar, dass sie gerne zu ihm hinein möchte. Etwas hilflos zuckt Herr Kandell mit den Schultern. Sie lächelt noch immer.
Herr Kandell haucht die Scheibe an und schreibt ans beschlagene Glas in spiegelverkehrter Schrift: Wie heisst du? Worauf sie ihm auf die selbe Weise Antwort gibt: So gut kennen wir uns noch nicht. Lass mich rein.
Endlich versteht er. Er bedeutet ihr, ihm zu folgen. Während er auf der Innenseite die Glaswände abgeht, folgt sie ihm von aussen. Als sie an den Ausgangspunkt zurückkehren, versteht auch sie: Das Glashaus hat keine Tür. Jetzt verschwindet auch das Lächeln von ihrem Gesicht.
Ich will dich nur anschauen, schreibt er an die Wand.
Das reicht mir nicht, antwortet sie und geht.
Herr Kandell klebt an der Scheibe und schaut ihr kopfschüttelnd nach.