“Hanging Lydias Schaukelblätter” (I-V)

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Lydia ist ein stilles Mädchen, das ein unaufgeregtes Leben in einem vergessenen Winkel im Geist ihres Erfinders führt. Sie langweilt sich, verbringt den Tag auf eben jener Schaukel, die am grossen Baum im kleinen Garten ihres Elternhauses hängt, und vertreibt sich die Zeit, indem sie sich unfeine Geschichten ausdenkt. Das Abbild ihrer Vorstellungskraft finden Sie auf diesem Weblog, das ihr Schöpfer für sie führt. Sie ist mit der Art und Weise, wie dies geschieht, nicht immer glücklich. Nicht alles, was dort zu finden ist, stammt von ihr - behauptet sie. Ihr Erfinder leide an der Krankheit aller Schriftsteller, er schafft es nämlich nicht, die Worte eines anderen unverändert zu übernehmen. Das ist eine ernste Sache. Aber was will sie machen? Klagen kann Lydia nur ihrem geistigen Vater, der auch ihr Vormund ist. Ein ordentliches Gericht hört sie nicht an. Und wie gut sie das kann! Damit er in Stille weiterarbeiten darf und von ihr in Ruhe gelassen wird, haben die beiden eine Vereinbarung getroffen: In unregelmässigen Abständen käme er zu ihr hinaus in den Garten, zusammen sichteten sie das Material, das sich auf ihrem Weblog angesammelt habe, und sie könne dann eine Auswahl jener Texte treffen, die sie als die ihren gelten lassen möchte. Sie dürfe sogar redigieren (streichen, umformulieren, aber nur insofern, als die ursprünglichen Texte danach noch wiederzuerkennen seien). Diese authorisierten Texte würden dann als lose Blätter herausgegeben, die entsprechenden Weblogbeiträge würden sodann archiviert, aber nicht gelöscht - wohlgemerkt). Nun hat Lydia ihre erste Auswahl getroffen, die Texte sind überarbeitet und zur Publikation freigegeben. Lydia ist - wie Sie unschwer feststellen werden - ein feines Mädchen. Denn die vorliegenden Texte wurden jenen Rubriken entnommen, in denen sich der Autor vollkommen verrannt hat. Lydia hat gerrettet, was noch zu retten war. Sie habe dies nicht ganz uneigennützig getan und dabei auch ihre eigenen Interessen gewahrt, denn schliesslich schreibe der Dichter in ihrem Namen, was ihr nach wie vor missfalle. Die Geschichten, die sie sich auf ihrer Schaukel einfallen lasse, seien das einzige, was ihre Existenz rechtfertigten - ihre Geschichten und die Tatsache, dass sie ein lustiges Mädchen sei. Ein Blatttext ist gerade mal so lang, dass er - nun ja - gerade mal so auf ein Blatt passt.

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am 02.02.2007

Ich habe auch so eine Lydia!

slivki am 02.02.2007 um 14:49
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