Fiktion. In aller Liebe

Ich liebe Fiktion, und je deutlicher sie sich als solche ausweist, um so mehr liebe ich sie.
Fiktion - und darin besteht ihre wahre Grösse - lässt dem Leser immer ein unverschlossenes Hintertürchen, durch welches er sich aus ihr davonstehlen kann.
Fiktion - und darin äussert sich ihre Stärke - lässt keinen Zweifel daran, dass der Schriftsteller ihr nie entkommen kann.
In “Vain Art of the Fugue” (das Buch ist, so weit mir bekannt, auf Deutsch noch nicht erhältlich), von Dumitru Tsepeneag, Autor von “Hotel Europa”, versucht ein namenloser Mann mit dem Bus zum Bahnhof zu gelangen. Sein Versagen, diese anscheinend einfache Aufgabe erfolgreich zu bewältigen, wird in jedem Kapitel neu erfunden. Der Bus wird in einen Unfall verwickelt, der Buschauffeur wirft ihn hinaus, fahrradfahrende Horden versperren die Strasse, der Namenlose landet aus keinem ersichtlichen Grund im Gefängnis. Manchmal verschwindet er spurlos oder strandet irgendwie am Meer.
Ein herrliches Lesevergnügen, da das Ende jedes Kapitels das Hintertürchen höflich dem Leser aufhält und ihn in die nächste Fiktion hineinwirft. Am Ende ist “Vain Art of the Fugue” mysteriöser als zu Beginn.

(Lohnende Exerzitien für jeden Schriftsteller.)

am 16.08.2007

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