Emília mit dem langen Haar

1
Emília mit dem langen Haar, violettes Rankenornament, das deine Züge nachzeichnet, wie Schriften entlang einer toten Wand, dem Schild.

2
Emília gehört nicht mir, Emília ist der Name im Mund eines Bekannten, Emília gehört ihm, Emília ist seine Liebe, sein Schmerz. Als er mir von ihr erzählte

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Emília, Mädchen des gemessenen Schrittes, der Kadenzen, der kindlichen Angst, der Gesänge in der Stille, der bemühten Zurückhaltung, und stolz

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empfand ich nichts für sie, obwohl dieser Bekannte sich Mühe gab, sichtlich nach Worten rang, sein Auge leuchtete und vielleicht war es eine Träne in seinem Blick, worin das Licht sich brach,

5
Emília, ewiges Lächeln, ein Leben gemacht und ungemacht, zweifelnd im Ursprung schon, diese
Schweigende Emilia, die sich von der ewigen Liebe, von der ewigen Leidenschaft ihrer Dinge bewegen lassen will.

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und dann erzählte er mir auch weshalb, weshalb er weinte, und weshalb er mir nicht alles erzählen könne

7
Emília, die Moderne, denkt sich irgendwas und es interessiert mich nicht, denn sie vergisst mich, denkt sich verführt und wieder vom urbanen Leben.

8
Es interessierte mich nicht, denn es fehlte mir der Höhepunkt, es fehlte mir das Wort, das sich nach dem Zenit streckte, es fehlte mir der Gaumen voller Emília, Emília, sagte er,

9
Schönheit aus den Fugen der Zeit, Herrin der Hände, mutig und unerschrocken, auf meiner Zunge sammelst du Erinnerungen: Emília, zukünftige Frucht meines Leids, notwendige Liebe, unausweichlicher Tod, Falter am heissen Licht.

10
Mein Freund, sagte ich, du leidest verfrüht. Es soll nur leiden, wer etwas verlor. Du aber hast Emília nie gehabt, sie will dich nicht. Lass sie flattern, bis sie stirbt.

11
Heute sah ich Emília aus dem Fenster heraus an der Bushaltestelle. Und Emília lachte und Emílias langes Haar war genau so, wie er es mir beschrieben hatte, alles an ihr war Emília, ein Wort im Mund eines Mannes, den ich kaum kannte, und jetzt, plötzlich, wusste ich, dass es ihr an gar nichts fehlte, dass ich es war, der das letzte Notwendige nicht hatte hinzutun können: Ich sah Emília und ich liebte sie dennoch nicht.

am 20.04.2008

Wunderschön.

La Tortuga am 20.04.2008 um 11:33
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