Die letzten Tage (5). Sub umbra alarum.

Ungetrübt war die Zeit meiner ersten Liebe nicht. Ich war 14 und steckte mitten in der Pubertät. Ich liebte Madalena abgöttisch, litt aber gleichzeitig wie alle 14-jährigen unter Minderwertigkeitskomplexen.
Wenn ich mit Pedro nicht hinter ihr herlief, lag ich im Bett auf meinem Zimmer und träumte wach von ihr. Ich fragte mich, ob Engel Schamhaare hatten wie normale Frauen und stellte mir Madalena ganz ohne vor. In Gedanken konnte ich mit ihr alles tun und sie tat in meinem Kopf bereitwillig mit. Just in diesem Augenblick flog Madalena an meinem Zimmer vorbei und nickte mir grüssend zu. Am liebsten wäre ich im Boden versunken. Es wurde mir schmerzhaft bewusst, dass ich nie den Mut finden würde, Madalena in mein Zimmer zu bitten.
Schlimmer aber als das Bewusstsein meiner eigenen Feigheit waren die verbalen Attacken meiner Schwester, der meine Schwäche für Madalena nicht entgangen war.
“Dummkopf”, stichelte meine Schwester, “hast dich in einen Engel verliebt und bist doch ein Mensch!”
Gott sei Dank eilte mir meine Mutter zu Hilfe, tröstete mich und verwies auf das Buch Genesis.
“Engel teilen das Bett seit Urzeiten mit unsereins, weshalb solltest ausgerechnet du es mit Madalena nicht auch tun dürfen?”
Meine brennendste Frage aber beantwortete Mama nicht. Weshalb, fragte ich mich, sollte Madalena es ausgerechnet mit mir tun wollen?
Und so begnügte ich mich damit, nur in Gedanken im Schatten ihrer Flügel zu liegen.

am 29.07.2007

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