Die letzten Tage (1). Madalena erscheint.

Madalena wurde erstmals am 25. März 1962 am Himmel über Ushuaia gesichtet. Keiner konnte sagen, ob kräftige Winde sie über den Beagle Kanal getragen hatten oder mangelnde Aufwinde an den Südhängen der Cordillera Darwin dafür verantwortlich waren, dass es Madalena nach Ushuaia verschlug. Die erste, die Madalena entdeckte, war meine Schwester. Sie spielte gerade im Garten, als sie ein Flattern hörte, und sah hinauf.
“Mama!” rief sie.
Doch als unsere Mutter in den Garten lief und in den Himmel blickte, war ausser dichten, schweren Wolken nichts zu sehen. Ich, der ich - von den Schreien meiner Schwester aufgeschreckt - auch aus dem Haus gerannt war und nun wie Mama vergeblich in der Luft nach einem Engel Ausschau hielt, lachte sie aus.
“Es gibt keine Engel!” lästerte ich. “Das weiss doch jedes Kind!”
Worauf meine Schwester schnippisch zurückgab: “Ach, und wie kommt es dann, dass jedes Kind weiss, wie ein Engel aussieht?”
Ich war älter (14) als Luana (11) und hätte ihr gerne erklärt, was ich von ihrer Logik hielt, aber Mama meinte, es würde sie nicht wundern, wenn es stimmte, was Luana behauptete, denn die Welt sei ja nur noch ein einziges Durcheinander, was Luana aber nicht das Recht gäbe, das Blaue vom Himmel herabzulügen, ob sie denn tatsächlich einen Engel gesehen habe und, wenn ja, wohin er denn geflogen sei.

am 25.07.2007

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