Der Salon
Woher kommen die Texte für die Fensterrahmen? Oder für die Wände, wo keine Fenster sind? fragt die Philosophin.
Ich bin kein Poet, sagt der Maurer.
Es ist deine Handschrift. Woher also?
Er legt den Ursprung ihrer Fragen als Neugierde aus, versteht sie als kaschiertes Interesse an seiner Person.
Hinter einer Tür ist angeregtes Plaudern zu hören. In der Regel reicht das, um Unbefugte davon abzuhalten, sie zu öffnen. Den Unachtsamen und Überhasteten zuliebe wurde das Schild angebracht: Zutritt verboten.
Es ist kein schöner Anblick: Auf einer einem Fenster nachempfundenen Projektionsfläche überschlagen sich Bilder einer phantastischen, unerträglichen Welt. Im Raum verteilt kauert die Avantgarde der Dichtergilde über Tastaturen, in die sie ihre Sprachexperimente tippen. Interessante Ansätze werden von einer Kulturkommission auf ihre Massentauglichkeit hin überprüft und diskutiert. Passiert ein Weltbild diese Hürde, wird der entsprechende Satz per Kurier in ein Nebenzimmer gesandt, wo Auftragsschriftsteller ihn in eine allgemein verträgliche Form bringen. Von da geht es in ein Ablagefach, das der Maurer regelmässig leert.
Die Philosophin zeigt sich sichtlich verstört und der Maurer fragt sich, ob es nicht vielleicht ein Fehler war, sie herzubringen.
Die allermeisten dieser Sätze schaffen es nie an eine breite Öffentlichkeit, sagt er, aber sie werden benötigt, um einer eventuellen Stagnation in der Entwicklung unseres Weltbilds entgegenzuwirken.
Das ist alles?