Der Luftschutzraum
Erst durch die Beschriftungen an der Wand wird die Funktion des Raumes verständlich, da er keine Fenster besitzt. Die Decke hängt so tief, dass sie den Eindruck von massiver Schwere vermittelt. Der Zugang zum Raum erfolgt durch eine Schleuse. Öffnet man die erste Panzertür, wird das Schloss der zweiten durch einen einfachen Mechanismus arretiert und erst wieder freigegeben, wenn sich die erste Türe schliesst. Für einen Moment steht man im Dunkeln, bis der Griff der zweiten Panzertür gefunden ist und sich durch kräftiges Stemmen in den Hauptraum öffnet, welcher elektrisch beleuchtet ist.
Nicht berühren, steht für alle gut lesbar in Leuchtschrift an der Wand, selbst wenn die Glühbirne an der Decke erlöschen sollte. Das Verbot jeder taktilen Erfahrung hält die Erinnerungen in Zaum. Wer diesen Raum betritt, konzentriert sich ganz auf die Befolgung dieser einen einfachen Anweisung, wodurch für die Dauer des Aufenthalts jedes Gefühl vergessen geht.
Versuche, an den Wänden von einer märchenhaften Welt zu erzählen, in der die Sonne schien und die Äcker reiche Früchte trugen, misslangen. Wer das Schöne vor Augen hat, reagiert mit einer besonders ausgeprägten Sensibilität auf mögliche Bedrohungen. Explosionen von Granaten vor den Panzertüren hörten sich an, als sei man ihnen schutzlos ausgeliefert. Sperrfeuer von Maschinengewehren, glaubte man, gelte den Schutzsuchenden, obwohl es deutlich hörbar aus der Ferne auf andere Wände schoss. Man bekam Platzangst.
Nicht berühren, also.
Auf seiner Flucht vor der Meute meidet der Maurer diesen Raum. Mit einem Eimer Mörtel in der Hand und einem Bauplan unter dem Arm sind die Panzertüren nicht zu öffnen.