Der Hörsaal

Weshalb ist es nie Nacht in Timbuktu? fragt sie. Der Maurer und die Philosophin lassen sich etwas zurückfallen. Mit einem Nicken oder einem kurzen Fingerzeig weist der Maurer der Meute den Weg, wenn sie – unschlüssig, durch welche Tür nun zu gehen sei – stehenbleibt und sich ratsuchend an ihren Stadtführer wendet.
Müde?
Ich will die Sterne sehen.
Ein kleiner Umweg wird nicht schaden.
Still, seid jetzt still, bedeutet der Maurer seinen Begleitern. Dann öffnet er die Tür und führt die Philosophin an der Hand einen schmalen Gang entlang in völlige Dunkelheit hinein. Rechts und links ertastet sie Stühle, Bänke. Die Schritte hallen. Sie zwängen sich in eine Sitzreihe, setzen sich.
Wie soll ich hier Sterne sehen? fragt sie. Ich kann nichts lesen. Ich brauche Licht.
Schau hinauf. Er hält ihre Hand.
Es dauert eine Weile, bis das Gehör sich an die Dunkelheit gewöhnt.
Als die Lichter im Saal angehen und der über verschiedene, für ein Planetarium geeignete und andere, völlig ungenügende Projektionstechniken referierende Professor sichtbar wird, sind Tränen in den Augen der Philosophin.
Hast du die Sterne gehört?
Ich mag jetzt nicht reden, sagt sie.
Die Meute hat sich zwischen all den Studenten verlaufen und es kostet den Maurer einige Nerven, bis er die vier fünf wieder beisammen hat.

am 27.10.2006

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