Der Heilige und die Liebe, III (BdV)

Sie leben auf den Mülldeponien von Antananarivo, dreckige Gestalten zwischen Abfallbergen. Ratten nennt man sie in der Stadt, doch fragt man sie, wehren sie sich gegen diese romantisierende Bezeichnung. Die Ratten, sagen sie, lieben den Gestank.
Wer auf den Mülldeponien von Antananarivo landet, hat seinen Glauben längst verloren. Es gibt für sie kein besseres Leben als dieses, niemand glaubt noch an Hilfe aus der Stadt, ihre ganze Hoffnung ruht auf dem nächsten Müllwagen, der ihnen – wenn sie Glück haben – den verschmähten Brei eines verzogenen Bengels oder die blau verfaulten Poulets mit abgelaufenem Verkaufsdatum aus dem Supermarkt vor die Füsse kippt.
Gemeinsam mit den Ratten haben diese Menschen nur die Nahrung, die sie mit ihnen teilen.
Zwischen den stinkenden Bergen von Antananarivo wandelt der Heilige Onófrio Honwana einher und predigt Liebe in Zeiten der Cholera.

am 27.03.2007

Name:

Email:

URL:

Ihr Kommentar:

Cookie?

Benachrichtigen?

Geben Sie die untenstehende Zeichenfolge ein: