Der 7. Lautsprecher

Ist seitlich neben dem Bildschirm in einer Schachtel untergebracht. Bewegtes Bild und bewegender Ton sind sorgfältig aufeinander abgestimmt. Mitunter verursacht eine Störung im Sendeturm eine zeitliche Verschiebung in der Übertragung von Bild und Ton, so dass es zu Missverständnissen zwischen beiden kommt. Hier bewegt sich schon ein Mund während dort noch die Musik spielt. Im grossen Ganzen aber bilden Bild und Ton eine sinnvolle Partnerschaft. Man lasse bloss die Finger von der Fernbedienung und dort insbesondere von dem Knopf, welcher symbolhaft durch einen durchgestrichenen Lautsprecher dargestellt wird. Das Ausschalten des Lautsprechers würde auf traumatische Art unseren Glauben an das Selbstgenügsame des Bildes zerstören.

[Dasselbe gilt jedoch nicht für das Umgekehrte: Man kann sehr gut Fernsehen hören ohne es zu schauen. Alles, was es dazu braucht, ist ein geübtes Ohr, das die Stimmen auseinanderzuhalten und die Bedeutung von Filmmusik zu entschlüsseln weiss. Auch in Haushalten von blinden Personen finden sich Fernsehgeräte. Sinnstiftend, liesse sich daraus schliessen, ist der Ton, nicht das Bild. Eine Welt ohne Geräuschkulisse wirkt lächerlich. Vorgewarnt und entsprechend vorbereitet bitte ich Sie nun, auf einen der zahlreichen Kanäle umzuschalten, auf denen heutzutage Telenovelas ausgestrahlt werden, und den Ton zu entfernen. Was Sie da zu sehen bekommen, wird Ihnen gar nichts sagen.]

Stichwort: Stummfilm

am 20.06.2007

Und eben umgekehrt.
Nun, als Tonmeister für Film- und Fernsehen kann ich Ihnen sagen: Der Ton wird *immer* unterschätzt und hintenan gestellt. Gerade bei Fernsehfilmen (machen Sie die Probe) ist der Ton ungenießbar, Sie werden kaum differenzierte Klangkulisse finden. Das liegt zum einen an der mangelhaften Übertragungsbreite und zum anderen daran, daß man für einen 5 - Watt - Lautsprechermarkt abmischt, das ist nichts für feine Ohren. Eher Körperverletzung.
GTaag

GTaag am 21.06.2007 um 11:16

Eine Antwort auf Ihren Einwand wäre vielleicht: Der Ton MUSS unterschätzt bleiben. Merkte man als Zuschauer, wie wichtig der Ton tatsächlich ist, begänne man am Ende noch an den Bildern (an dem, was man sieht) zu zweifeln. Ein schlechter Ton hilft zu verheimlichen, dass die Bilder nicht viel besser sind. (Darüber gäbe es viel zu schreiben. Später und an anderer Stelle vielleicht.)

Markus am 21.06.2007 um 13:57

Da haben Sie vollkommen Recht. Es ist ein lohnendes Thema.

GTaag am 21.06.2007 um 14:29
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