Das Zeichen Gottes
Ich kam vor einer Woche an einer katholischen Kirche vorbei, nichts prunkvolles, ein einfacher Bau, in dem es von fröhlichen Menschen wimmelte. Wie immer, wenn ich an religiösen Verantstaltungen gerate, packt mich die Neugierde, und so betrat ich das Gebäude. Ein Priester kam strahlend auf mich zu, stellte sich mir mit dem Namen “Jesús” vor (der Pater kommt ursprünglich aus Chile), ich machte irgendeinen Spruch über den “Sohn Gottes”, da wurde Jesús ernst und meinte: “Aus gutem Grund nennen wir uns Christen und nicht Gottesfolger. Wir über uns in der Nachfolge eines Menschen. Wir suchen nicht die Gottes-, sondern die Christusähnlichkeit.” Wir gerieten in eine Debatte über die Gottessuche, Jesús schüttelte immer wieder den Kopf. Schliesslich aber sah er ein, dass meine Faszination nicht dem Menschen Jesus galt, sondern seinem Vater. Da schrieb mir Jesús gross ein Wort auf ein Blatt Papier und reichte es mir. “Wenn du Gott suchst, hier findest du ihn”, sagte er und fügte hinzu: “Ich habe dich gewarnt.”
Seither hängt das Tetragramm über meinem Schreibtisch. Es befremdet mich. Ich verziehe mein Gesicht zu einer Grimasse, wenn mein Blick darauf fällt.
Darüber einen Roman zu schreiben, darüber, wie ich mich auf die Suche nach der Bedeutung dieses Zeichens mache - seit einer Woche denke ich darüber nach, wie sich dieses Vorhaben in die Tat umsetzen liesse, ohne meine Familie dadurch in Gefahr zu bringen.
am 28.09.2008
Du machst Dir Sorgen um die Familie? Es trifft direkt immer den, der den Namen ausspricht. Du solltest Dir um Dich selbst Sorgen machen.
Darüber einen Roman zu schreiben, darüber, wie ich mich auf die Suche nach der Bedeutung dieses Zeichens mache - seit einer Woche denke ich darüber nach, wie sich dieses Vorhaben in die Tat umsetzen liesse…
Der Roman, von dem es mir gerade gelingt, ihn nicht zu schreiben? Du musst wirklich viel Energie haben im Moment, an solche Vorhaben zu denken :-)
Benjamin Stein am 03.10.2008 um 08:07
Du machst Dir Sorgen um die Familie? Es trifft direkt immer den, der den Namen ausspricht. Du solltest Dir um Dich selbst Sorgen machen.
Wenn es mich trifft, trifft es auch die Familie. Ich war lange der Ansicht, dass es eigentlich um mich nicht schade wäre, aber dass es verantwortungslos meiner Frau und meinem Kind gegenüber ist, mich einem solchen Risiko auszusetzen. Jetzt, da ich eine wenn auch nur sehr vage Ahnung davon habe, was mich erwartete, wenn ich dieses Projekt in Angriff nähme, weiss ich nicht, ob ich mich tatsächlich in diese Gefahr begeben will. Ein Zurück gäbe es nicht.
Als ich meiner Frau davon erzählte (vom Buchprojekt), meinte sie, ich solle damit noch zwanzig Jahre warten. Wahrscheinlich, weil sie hofft, dass ich es bis dahin aufgegeben habe. Sie hat mittlerweile ein sehr präzises Gefühl dafür entwickelt, wie viel mich (und in direkter Konsequenz) sie eine Geschichte jeweils kostet. Der Preis für diese wird hoch.
Markus am 03.10.2008 um 09:04