Auf ein Neues

Nach dem heftigen und sehr schmerzhaften Fieber, das mich - ausgelöst durch einen Mückenstich und verstärkt durch eine tiefe Irritation - wenige Wochen nach meiner Ankunft in dieser Stadt heimsuchte, erwache ich gestärkt in das Neue Jahr. Ich weiss jetzt, dass ich am Fieber keine Schuld trage, dass die Mücken sich von Antiinsektenspray und leichten Stoffen auf der Haut nicht abschrecken lassen, dass sie so oder so stechen und ich eigentlich von Glück sprechen muss, dass sie mir nur das Dengue-Fieber injizierten, wo es doch auch Malaria hätte sein können. Oder schlimmeres.
Allein an der Irritation, die mich während den ersten Wochen in dieser meiner neuen Heimat lähmte, trage ich eine Mitschuld. Wäre ich wachsamer, aufmerksamer gewesen, hätte sie sich vermeiden lassen: Das Land, in das ich nach fast zwanzig Jahren zurückgekehrt bin, ist nicht mehr dasselbe. Es hat sich weiterentwickelt, ist moderner, gewaltsamer geworden. Mit alldem habe ich gerechnet, nicht aber mit der Erkenntnis, die das Erwachen aus einem bösen Fieber ermöglicht hat: dass nämlich in diesem Land sich etwas Grundsätzliches verändert hat, etwas, was der Seele Brasiliens - so glaubte ich - zutiefst widerspricht. Ein Skandal, wird man in einigen Jahren sagen, wenn das Land ganz unvermeidlich in seine Normalität zurückfallen wird. Reichtümer werden nicht länger durch kriminelle Machenschaften und korrupte Geschäfte angehäuft, sondern durch harte Arbeit. Die Reichen sind reich, weil sie es sich verdient haben. Die Armen sind arm, weil sie faule Hunde sind und die Arbeit scheuen. Das ist neu, so ungewohnt auch, dass ich mich erst daran gewöhnen und zudem meine Geschäftsideen den neuen Begebenheiten anpassen muss.
Das neue Jahr wird viel Arbeit bringen, denn ich habe mir vorgenommen, reich zu werden. Ich hätte es gerne auf die einfache Tour versucht, doch solange Brasilien auf dieser Erfolgswelle weiterwächst und weiter an Ehrlichkeit gewinnt, werde ich mich wohl oder übel beugen. Nichts ist schrecklicher, als arm zu sein und zu wissen, dass man selbst die Schuld daran trägt.

Eucharius Karmel,
Caracol, 03. Januar 2008

[Etwas verspätet wünsche auch ich allen Leserinnen und Lesern von Hanging Lydia ein arbeitstüchtiges und erfolgreiches 2008. Es verspricht ein heisses Jahr zu werden, der Karneval steht vor der Tür, der Sommer strebt neue Höchsttemperaturen an und dennoch verlangt das Leben einen erhöhten Rhythmus. Ich schwitze.

Markus A. Hediger,
Rio de Janeiro, 03. Januar 2008
]

am 03.01.2008

Nun, dann wünsche ich Ihnen ein nicht zu heißes, aber be-reich-erndes neues Jahr und gute Besserung (falls dies noch nötig sein sollte).

Sprachspielerin am 03.01.2008 um 12:18

Ich freue mich einen neuen Beitrag zu lesen. Es geht Euch/Dir also wieder besser.

Wir haben im ersten Jahr in Indien täglich unsere Malariamedizin eingenommen. Als mein Vater trotzdem die Malaria bekommen hat, hat die ganze Familie (6 Personen) damit aufgehört.
Nach 12 Jahren hatte die Hälfte Malaria bekommen und die andere Hälfte nicht. Ich denke, da kann man nicht viel machen.

Kerstin Klein am 03.01.2008 um 13:37

die tropenkrankheiten sind nun mal der preis, den man für die fixe idee zahlt, unbedingt näher am äquator wohnen zu wollen ;-)
ich hatte in meiner kindheit schon einiges übles an krankheiten erwischt, weiss also, dass sich nicht alles vermeiden lässt. malaria aber habe ich noch nicht gehabt und möchte es auch nicht. ich habe viele böse geschichten drüber gehört…

am wichtigsten aber ist, dass die lebensgeister zurückgekehrt sind und ich mit viel zuversicht ins neue jahr blicke. ich freue mich riesig auf die herausforderungen, die zu bewältigen sein werden!

Markus am 03.01.2008 um 14:44

ich gehörte glücklicherweise immer zu der hälfte der familie, die weder gelbsucht, malaria oder sonstiges bekommen hat. ich musste also keinen preis bezahlen! ;)

die zuversicht fürs neue jahr habe ich auch und hoffe, dass sie uns allen erhalten bleibt.

ksklein am 03.01.2008 um 15:28
Seite 1 von 1

Name:

Email:

URL:

Ihr Kommentar:

Cookie?

Benachrichtigen?

Geben Sie die untenstehende Zeichenfolge ein: