Alkohol
Zwischen Prügel und Arrest kratzten wir uns an den Köpfen. Für die Internatsleitung war dies das Zeichen, dass es wieder an der Zeit war, uns Kinder in der Waschküche zu versammeln. Dort, tief über den Wäschetrog gebeugt, ertrugen wir stoisch die Prozedur. Unsere Haare wurden mit Alkohol durchtränkt, dann eine Haube drübergezogen und wir ins Bett geschickt. Ich erinnere mich noch gut daran, wie es auf der Kopfhaut brannte. Einige Jungs erregte die zwischen Stirn und Nacken gestaute Hitze. Wir drohten ihnen mit einer Kerze. Am nächsten Morgen zählten wir die toten Läuse, die im Kamm hängenblieben.
Wir hassten den Direktor des Internats. Die Prügel, die wir einstecken mussten, schmerzten und es war unmöglich, die Tränen zurückzuhalten. Gedemütigt schworen wir Rache.
Wenn mitten in der Nacht die Mädchen schrieen, huschten wir, die Alkoholflasche vorsorglich mit dabei, hinüber in ihren Trakt. Wir schütteten Alkohol, Alkohol auf jene haarige Kreatur und zündeten sie an. Als das Feuer erlosch, war von der Tarantel nichts mehr zu sehen als ein schwarzer Fleck auf dem Boden. Wenn dann Direktor endlich kam, suchten wir, die Jungs, da, im Schlafraum der Mädchen, nach einer Erklärung für unsere Anwesenheit in diesen verbotenen Gemächern. Aber unser Alibi war nur noch Asche und die Mädchen weigerten sich, in unserem Sinne zu gestehen. Wir bezogen Prügel.
Jeden Samstag mussten wir den Garten sauber machen und die Beete jäten. Erstaunlich, wie schnell Unkraut wächst. Wir arbeiteten vorsichtig, denn wir kannten die Vorliebe der Schlangen für hohes Gras. Nie aber hätten wir damit gerechnet, in unserem Garten eine Klapperschlange zu finden. Ich schlug vor, das arme Tier mit Alkohol zu überschütten und es anzuzünden, doch der Direktor hatte eine bessere Idee. Mit einem Zweig schlug er die Schlange tot, legte sie in ein Glas, übergoss sie mit Alkohol und dann verschloss er es. So, meinte er, bliebe sie uns noch lange erhalten. Wir lachten und empfanden an diesem Tag ein bisschen Sympathie für ihn.
Eines Nachts, da schliefen alle schon, erhob ich mich nochmals. Liegend war der Schmerz nicht auszuhalten. Ich spürte jeden Fetzen Haut, den der Direktor mir mit seinem Gürtel vom Leib gezogen hatte. Es tat weh. Nach Ablenkung suchend, irrte ich durch die Korridore des Internats. Im Büro des Direktors brannte Licht. Ich blickte durch das Schlüsselloch und sah, dass er trank. Seine Hand war schwer, sein Blick war stumpf und seine Atmung flach. Ich kauerte vor dem Schlüsselloch und beobachtete fasziniert, wie der Alkohol den Direktor immer schwerfälliger machte. Ich stellte mir den Alkohol in jenem fetten Körper vor. Ich stellte mir vor, wie es darin brennen musste. Ich stellte mir vor, wie sie ihn erregte, diese zwischen Gurgel und Arsch gestaute Hitze.
Endlich fiel die Flasche zu Boden. Kurz darauf hörte ich den Direktor schnarchen. Vorsichtig öffnete ich die Tür und schlich hinein. Vor ihm blieb ich stehen und prüfte den Atem, der aus den alkoholumschwemmten Innereien aufstieg. Ich kramte ein Streichholz hervor, zündete es an und hielt es ihm ohne zu zögern vor den Mund.