Abendscheins “Die Träume meiner Frau”
Seit Hartmut Abendschein mir verraten hat, dass er für “Die Träume meiner Frau” einen Verlag gefunden hatte, habe ich auf dieses Büchlein gewartet. Ich errinnere mich gut, als die ersten “Träume” in seinem Weblog auftauchten und meine Tage zu umträumten Nächten machten. Fasziniert las ich diese kleinen Texte, die ihrem Übertitel mehr als gerecht werden. Abendschein zeigt sich hier abermals als Meister der kleinen Form, sein sparsamer Umgang mit dem Wort findet hier das perfekte Nachtkleid - Stoff in gerade ausreichender Dicke, um den Leser warmzuhalten, und Stoff zur Genüge für traumschwere Nächte (wer lieber nackt schläft, sei gewarnt: dieses Buch nicht im Pyjama zu lesen, ist gefährlich).
Besonders freut mich, dass auch Mademoiselle Chantalle, eine meiner Traumfrauen, es in “Die Träume meiner Frau” geschafft hat, allerdings durch den Traum aus Rio nach Bern versetzt, wo sie sich als literarische Figur noch verführerischer, noch gefährlicher herumtreibt.
“Die Träume meiner Frau” sind Formeln, sind (der Realität der Träume entsprechende) logische Konstrukte, die auf eine Gleichung hinauslaufen, wobei das, was sich aus ihnen als Lösung ergibt, unsere eigenen Träume sind.
Dieses Buch sei ohne Vorbehalte jedem empfohlen, der die Sprache der Träume liebt und nicht davor zurückschreckt, sich in der Traumwelt einer anderen herumzutun. Inspirierend, irritierend, verspielt, ein Traum.
“Die Träume meiner Frau”, von Hartmut Abendschein, im ATHENA Verlag, 2007, EUR 11,90 / CHF 21.00
Erhältlich im Buchhandel oder im >>> Shop der edition taberna kritika.

