2. August 2008. Ein Samstag
In Kürze werde ich die Arbeiten auf SkyRadio wieder aufnehmen und nächste Woche meine Variation zur biblischen Sintflutgeschichte einlesen.
Die letzten Wochen waren etwas zu streng, ich habe Raubbau an meinem Körper betrieben. Da bleibt die Strafe nicht aus.
Es begann mit einem leisen Schmerz im linken Oberschenkel. Ein leichtes Zwicken, das sich legte, sobald ich aufstand oder eine andere Sitzposition einnahm. Ich habe vier Wochen Dauersitzens hinter mir, tage- und oft nächtelang habe ich am Schreibtisch gesessen und geschrieben. Erst eine 100-seitige Erzählung, die ich in zwei Wochen Akkordarbeit in die Tasten klopfte, dann Korrekturarbeiten am Buch eines Kollegen und gleichzeitiger Überarbeitung des eigenen jüngsten Werkes. Der Schmerz im Bein hat innerhalb weniger Tage seine Scheu vergessen und glüht nun nahezu konstant von der linken Pobacke ins – ich sitze noch immer – angewinkelte Bein.
Gestern war ich zu einer Sitzung mit der Ernährungsberaterin unserer Tochter geladen. Die kurze Fahrt mit dem Auto zur Kindertagesstätte war eine Tortur. Der Schmerz im Bein liess nur nach, wenn ich auf die Kupplung trat. Sobald ich das Bein aber zurück in Ruheposition brachte, hatte ich wieder Feuer unter der linken Pohälfte. Die Besprechung mit der Ernährungsberaterin fand im Esssaal statt. Wir nahmen auf winzigen Kinderstühlen Platz. Andréia ist eine ausnehmend schöne Frau, lebender Beweis ihrer beruflichen Kompetenz. Ich versuchte den Anblick, den sie mir bot, zu geniessen, doch mein linkes Bein zwang mich, auf diesem Kinderstühlchen eine Position einzunehmen – das eine, schmerzende Bein gestreckt, den Rücken leicht nach hinten gebeugt, den Oberkörper von Andrea abgewandt -, die mangelndes Interesse verriet. Andrea unterbrach ihre Ausführungen denn auch immer wieder, um mich irritiert anzusehen, es ging schliesslich um das Wohlergehen meiner Tochter. Um ihr zu signalisieren, dass ich durchaus zuhörte, fragte ich nach der korrekten Zubereitungsart verschiedener Gerichte und erkundigte mich nach Gewürzen, die in der Nahrung eines Kindes zu vermeiden seien. Sie reagierte jedesmal überrascht auf meine Fragen und spielte womöglich als Zeichen ihrer Anerkennung mit den Haltern ihres BHs, die unter den Trägern ihres ärmellosen Shirts hervorlugten. Als wir uns verabschiedeten, zeigte Andréia mir, wie weiss ihre Zähne sind. Sie waren so perfekt, so makellos, dass ich eingeschüchtert meinen Mund nicht mehr aufbekam.
In Zukunft werde ich auf Hanging Lydia nur noch kleine magische Geschichten einstellen.