1849

Das Fieber, zwischen zwei Hügeln wie Nebel in einer Mulde gefangen, schleicht sich durch Ritzen im Mauerwerk, schlüpft unter Türen hindurch in Häuser und Paläste, hüpft durchs Dachfenster, das man für die armen Seelen offen hält, tropft in Tränen den Sterbenden aus den Augen den Lieben in die klagenden Mäuler, verschleimt die Gaumen, vergiftet das Blut. Wie verlassen liegt der Stadtteil, in dem das Fieber wütet, kein Mensch wagt sich aus anderen Quartieren hinein, und hinaus darf ohnehin längst keiner mehr. Die Polizei hat alles abgeriegelt, zwischen diese zwei Hügel trabt kein Pferd, kein Arzt in seinem Sattel. Liebhaber und Geliebte, Diebe und Diebesgut, die hier vor wenigen Wochen noch einander fanden, suchen sich nicht mehr. Es wird gefiebert in Dosmorros. Küsst nicht die noch heissen Lippen der Gestorbenen! Vermischt nicht eure Tränen mit ihrem Schweiss! Zu spät… Es wird gestorben in Dosmorros.
[Bild: Carla Zacheu]