Alban Nikolai Herbsts “Die Dschungel”: Das multiplizierte Ich
“Reale Kommentatoren und Romanfiguren”, schreibt Herbst in seinem Weblog heute (im P.S.), “werden nicht unterschieden; es kommt nicht selten vor, daß ein realer Kommentator zur Romanfigur wird, es kommt nicht selten vor, daß ein Mitschreiber Der Dschungel seinerseits Figuren erfindet, die in Der Dschungel dann als Kommentatoren, schließlich bisweilen auch als Beiträger auftauchen usw.”
Was seit geraumer Zeit auf “Die Dschungel” beobachtet werden konnte und in Herbsts eigenen Worten sich wie nach einer Vervielfachung der Figuren in seinem Weblog-Roman anhört, scheint nun ins Gegenteil umzuschlagen. So kommentiert José Hugo Ernesto Lavantes (anonym) am 13. August:
“Ist eigentlich keinem klar, dass all diese Kommentare Herbst selber schreibt? [...] Sogar der Lavantes, der sich unter meinem Namen registriert hat, eine Unverschämtheit sondergleichen, ist Herbst. Hier ist alles immer nur und ausschliesslich Herbst.”
Wo früher Viele waren und diese Vielen noch Mehr wurden, wird aus diesen nun wieder Einer: Egal, ob die Kommentatoren von Herbst selbst erfunden wurden oder tatsächlich aus anderen Fiktionen ihren Weg in “Die Dschungel” fanden - sie alle schreiben an der Romanfigur “Herbst” mit. Da mag der Kommentator Lavantes noch lange behaupten, er selbst - und Lupus vielleicht noch - sei davon natürlich ausgenommen.
Ich glaube ihm nicht.
(Vielleicht ist dies - die Rückführung aller Beiträge und Kommentare auf EINEN Verfasser - der letzte (und notwendige) Schritt hin zur Verwirklichung von Herbsts ursprünglicher und immer wieder mit Nachdruck wiederholten Idee, dass “Die Dschungel” ein Roman seien. Der Leser ist nun soweit, dass er “Die Dschungel” endlich auch als solchen liest.)
