Kaffeeklatsch (1)
Ich kann nicht mehr mit Gewissheit sagen, wann mir der Zusammenhang erstmals klar wurde. Meine Erinnerungen an die letzten Wochen sind dumpf. Gedämpft vom Schmerz im linken Bein, der alles andere ins Vage und Ungewisse drängt. Wie eine Aufnahme mit geringer Tiefenschärfe. Im Vordergrund sehen Sie gestochen scharf den Schmerz, der Hintergrund jedoch gibt sich verschwommen, Sie erkennen vielleicht gerade noch die sich auflösenden Konturen einiger Bistrotischchen, eine Theke, und schemenhaft die Gestalt einer Frau. Genug, um mit einer gewissen Sicherheit bestimmen zu können, dass diese Fotografie im Café Colombo geschossen wurde – aber eigentlich interessieren Sie die Umstände, unter denen das Bild entstand, nicht wirklich. Der Schmerz im linken Bein, der vom Oberschenkel bis in die Ferse hinabstrahlt, fesselt Ihre Aufmerksamkeit. Es ist ein stechend scharfer Schmerz.
Erst wollte ich es nicht wahrhaben. Aber dann musste ich mir doch eingestehen, dass ein wie auch immer gearteter Zusammenhang nicht von der Hand zu weisen war: Zu Beginn, als der Schmerz sich nur sporadisch mit einem leichten Zwicken bemerkbar machte, hielt ich es für einen Zufall. Doch seit das Bein unentwegt schmerzt und ich es kaum noch bewegen mag, denke ich ebenso unentwegt an sie. In besagtem Café Colombo habe ich sie das erste Mal angesprochen. Wir plauderten ein bisschen über dies und ein bisschen über jenes und schliesslich verriet sie mir auch ihren Namen.
„Ich heisse Dolores“, sagte sie.
