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Das Zeichen Gottes



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Ich kam vor einer Woche an einer katholischen Kirche vorbei, nichts prunkvolles, ein einfacher Bau, in dem es von fröhlichen Menschen wimmelte. Wie immer, wenn ich an religiösen Verantstaltungen gerate, packt mich die Neugierde, und so betrat ich das Gebäude. Ein Priester kam strahlend auf mich zu, stellte sich mir mit dem Namen “Jesús” vor (der Pater kommt ursprünglich aus Chile), ich machte irgendeinen Spruch über den “Sohn Gottes”, da wurde Jesús ernst und meinte: “Aus gutem Grund nennen wir uns Christen und nicht Gottesfolger. Wir über uns in der Nachfolge eines Menschen. Wir suchen nicht die Gottes-, sondern die Christusähnlichkeit.” Wir gerieten in eine Debatte über die Gottessuche, Jesús schüttelte immer wieder den Kopf. Schliesslich aber sah er ein, dass meine Faszination nicht dem Menschen Jesus galt, sondern seinem Vater. Da schrieb mir Jesús gross ein Wort auf ein Blatt Papier und reichte es mir. “Wenn du Gott suchst, hier findest du ihn”, sagte er und fügte hinzu: “Ich habe dich gewarnt.”

Seither hängt das Tetragramm über meinem Schreibtisch. Es befremdet mich. Ich verziehe mein Gesicht zu einer Grimasse, wenn mein Blick darauf fällt.

Darüber einen Roman zu schreiben, darüber, wie ich mich auf die Suche nach der Bedeutung dieses Zeichens mache - seit einer Woche denke ich darüber nach, wie sich dieses Vorhaben in die Tat umsetzen liesse, ohne meine Familie dadurch in Gefahr zu bringen. 


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Markus A. Hediger am 28.09.2008
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Maskerade



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Nicht nackt wird der Mensch erkannt, sondern in den Verkleidungen, die er wählt. Ein Roman, der mich schonungslos aufdeckte, dürfte also nicht von mir erzählen, sondern von dem, was mir fremd ist. Von Vertrautem dürfte nicht die Rede sein, denn das, womit ich mich täglich umgebe - darin lässt sich’s gut verstecken. In der Fremde, so meine Erfahrung, gebe ich mir die ärgsten Blössen. Dort, wo ich, um zu Überleben, Zuflucht in der Maskerade suche.


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Markus A. Hediger am 23.09.2008
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Das Buch, kräftig an die Wand geworfen



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Heute, beim frühmorgendlichen Schreiben, verspürte ich den Drang, einen Roman zu verfassen, in dem so viel von mir drinsteckt, dass es ausreichen würde, das Buch einmal kräftig an die Wand zu werfen, um mich umzubringen.
Der Drang hält an.


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Markus A. Hediger am 21.09.2008
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