El viaje
Die Schleier von Neblina. Barbela. Die 15. Postkarte
Liebe Franziska,
Ich weiss, dass Du Papa sehr liebst, auch wenn ich nie ganz verstanden habe, weshalb. Es hat mich nun in eine Ortschaft namens Neblina verschlagen, wo immer Nebel herrscht. Die Häuser sind auf hohen Stelzen errichtet, aber trotzdem müssen die Bewohner auf die Dächer steigen, wenn sie die Sonne sehen wollen. Ganz vernebelt ist mein Blick von Barbela, dem Mädchen, das aussieht, als trüge es immer einen Schleier. Es ist, als ginge ich auf Wolken. So leicht ist mir zumute, dass ich über Papa gar nicht reden mag.
Der Sohn
Deines Liebhabers
[Bild: Rittiner & Gomez]
Der Plan der Stadt. Coralina. Die 14. Postkarte
Vater,
Du schreibst mir, Du wissest nicht, wovon ich redete. Unsere Beziehung sei immer freundschaftlich gewesen und nie habest Du Dir mir gegenüber etwas zuschulden kommen lassen. Meine impliziten Vorwürfe schmerzten Dich. Soeben durchfährt der Reisebus ein Städtchen namens Campo Alegre, von dem ausser einem Stadtplan nichts existiert. Coralina, mit der ich hier verabredet war, hat sich, während sie mit ihrem Finger den verwinkelten Gassen folgte, ganz offensichtlich verirrt. Auch unsere Beziehung, Vater, war nie mehr als das: ein schöner Plan, in dem du dich verlaufen hast.
Nochmals: Hast Du Nachrichten von Mama?
Dein Sohn
[Bild: Rittiner & Gomez]
Die gespiegelte Insel. Suzette. Die 13. Postkarte
Vater,
Ich habe inzwischen einen Ausflug auf die zweigeteilte Insel Nevis gemacht. In der Mitte von Nevis steht ein grosser Spiegel, der alles, was auf der einen Inselhälfte geschieht, auf die andere projiziert. Suzette, meine hiesige Gespielin, meinte scherzhaft, alles, was die eine Hälfte tue, tue auch die andere, nur umgekehrt. Käme hier einer näher, entfernte sich dort derselbe. Esse hier eine mit der rechten Hand, ässe dort dieselbe mit der linken. So hebe die eine die andere Inselhälfte auf. Es ist, als gäbe es die Insel nicht. Suzette und ich liebten uns, aber danach war es, als hätten wir einander nie gekannt.
Bemüht, trotz Deines nachtragenden Gemüts guten Willen zu zeigen
Dein Sohn
[Bild: Rittiner & Gomez]