Benguela

Mein Leben

Was in Dndran zählt, ist das widersprüchliche Kollektiv der individuellen Erinnerungen. Die einzelne Biographie ist nur insofern von Bedeutung, als sie zur Gesamtheit der Dorfgeschichte beiträgt. So verwundert es auch nicht, dass sich die Bewohner von Dndran an den Erinnerungen anderer bedienen und aus Fremderlebtem ihr eigenes Leben konstruieren. So wird garantiert, dass jeder das Leben bekommt, das er will. Problematisch wird es nur da, wo Details gefordert werden. In Dndran sind Erinnerungen, weil es nie die eigenen sind, naturgemäss sehr vage. 

Benguela |
Markus A. Hediger am 16.02.2007
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Im Schatten des Mangobaums

Zwanzig Zeugen, vom Angeklagten zu seiner Verteidigung aufgerufen, erzählen zwanzig Versionen desselben Vorfalls, die einander widersprechen. Kein Zeuge spricht für den Angeklagten, jeder spricht für sich. Jeder schwört, die Wahrheit gesagt zu haben.
Richter Frank Wordsworth, der im Auftrag der Krone der Gerichtsverhandlung vorsitzt, ist mit der dndrischen Kultur nicht vertraut. Deshalb ruft er mitten in die zwanzigste Zeugenaussage hinein: “Meineid!”
Der Angeklagte blickt auf und fragt, hoffnungsvoll: “Wir haben einen Schuldigen?”

Benguela |
Markus A. Hediger am 15.02.2007
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