Buenos Aires

Das menschliche Auge

Sehr, sehr langsam (sollten die ihm Nahestehenden später zu Protokoll geben) habe alles stattgefunden. Zu langsam für ein menschliches Auge, das so ausgebildet sei, dass es manche Dinge nicht sehe. Begonnen habe es mit einem schleichenden Hautverlust. Mit diesem einher gegangen sei eine Verhaltensmutation, die schliesslich eine Störung im sozialen Gefüge bewirkt habe. Aber alles sehr, sehr langsam. Wie gesagt. Wie sehr er gestört habe, habe man erst gemerkt, als der Vorgang abgeschlossen war. Als es zu spät war. Wenn man die Fotos im Familienalbum betrachte, die in Abständen von Monaten, manchmal Jahren, geschossen worden seien, könne man buchstäblich sehen, wie es passiert sei. Wie in einem Zeitraffer. Aber auf diesen Gedanken sei man nie gekommen: das Familienalbum betrachten und sich Böses dabei denken. Ja wie denn auch. Erst als es zu spät gewesen sei, ja, aber im Nachhinein wisse man es immer besser.

Buenos Aires |
Markus A. Hediger am 07.11.2006
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