Tropft es noch Wundsaft aus dem mitleidenden Auge
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Wenn wir Schmerz erleiden, beschleunigt sich unser Gehirn, unsere Gedanken machen Tempo, steigern sich hinein in diesen Geschwindigkeitsrausch manchmal bis zur Raserei. Schmerz ist eine körperliche Empfindung. Immer, möchte ich behaupten, selbst wenn wir selber es nicht sind, die die Schläge einstecken, die Prügel beziehen, an Nierensteinen leiden oder an einem faulen Zahn. Kein Schmerz ist so schlimm wie der Schmerz unserer Liebsten. Wir empfinden mit ihnen, körperlich. In wenigen Tagen ist wieder Ostern und viele Christen spüren es bereits wieder Jucken an den Handflächen, Blasen bilden sich an den Füssen, in der Seite zwickt es, aus den Haaren tropft ein bisschen Blut.
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Einen Schmerz gibt es, den empfinden nur wir, die Liebsten: den Tod. Für den Kranken, für den mit dem hohen Fieber, kommt der Tod wie eine Erlösung. Er mag nicht mehr schwitzen, nicht mehr sich schütteln. Für den Passanten, für den mit den Einkaufsplänen, kommt die Kugel ganz plötzlich, er sieht sie nicht kommen, möglicherweise galt sie ja gar nicht ihm. Hört er den Knall, der die Kugel aus dem Lauf drückte, hat sie ihn bereits getroffen. Da liegt er nun, tot, und weiss von alledem nichts. Es tut nichts weh.
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Man kennt sie, die Berichte über Nahtoderfahrungen – aber wem nützen sie? Ein Trost sind sie dem, der ins Leben zurückfand, und den Liebsten. Diesen aber nicht etwa, weil der Sterbende eine so seltsam leichte Erfahrung machte, nicht etwa, weil sie ihm den Anblick des rufenden Lichts in dieser so schweren Stunde gegönnt hätten – nein, sondern weil er dem Ruf des Lichtes widerstand. Nahtoderfahrungen sind toll, weil der, der sie machte, noch lebt.
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Wäre ich am ersten Ostersonntag mit dabei gewesen, als Jesus sich den Frauen in Getsemane zeigte, ich hätte ihn gefragt, wie diese drei toten Tage denn gewesen waren. Keine der Anwesenden fragte ihn danach. Zu gross war der Schrecken, aus dem Verlustschmerz herausgerissen worden zu sein. Da tropft es noch Wundsaft aus dem mitleidenden Auge, und da steht er doch tatsächlich und lebt. Auch das Neue Testament insgesamt verliert kaum ein Wort darüber, aber es lässt uns Böses ahnen, ohne sich in Details verstricken zu wollen. Diese Lücke füllte die auf Petrus gebaute Kirche in unserer Imagination.
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Wenige haben das Glück, einen Toten lebend zurückzubekommen. In Entre Morros starben 488 Menschen in jenem unsäglichen Jahr des vorletzten Jahrhunderts, nur zwölf überlebten, weil sie nie erkrankten. Von den zwölf mussten viele ihre ganze Familie verloren haben, mit einer Ausnahme vielleicht, ein Schweizer Auswanderer, der Trümperli Sepp, zu kurz im Land, um sich mit den einheimischen Frauen vertraut gemacht zu haben. Aber die Übrigen: Unerträglich muss ihnen das gewesen sein, einen nach dem anderen, Vater, Mutter, Brüder, Schwestern, Mann und Frau zu verlieren. Mitansehen zu müssen, wie den Kindchen in ihren Wiegen die Augen brachen.
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Allein der Gedanke daran, ich könnte meine Tochter verlieren, gibt mir einen Stich ins Herz. Ich wechsle das Thema und denke über Verrat nach, wie dieser Tage schon häufiger, denke jetzt darüber nach, woher der Impuls kommt, den Verräter zu erstechen, eigenhändig, und denke, dass es vielleicht mit der Scham zu tun hat, die man erlitt und weiterhin empfindet, und denke, wie dumm der Gedanke ist, mit der Ausmerzung der Ursache auch die Wirkung ungeschehen zu machen, doch ich komme vom Thema ab.
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Doch genau das ist der springende Punkt: Wenn der Schmerz zu gross wird, flüchten wir in den Kopf, eben dahin, wo wir rasend in unseren Gedanken unserem leidenden Körper entfliehen können.
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Als Artur Peixoto, der junge Schriftsteller und Republikaner, sich auf seinem Spaziergang zwischen den Hügeln von Rio de Janeiro zwischen die Hügel nach Entre Morros verirrte, nach einem langen Irren zwischen verfallenen Herrschaftshäusern, Ställen und Sklavengattern, führte ihn sein Trott in einen breiten Boulevard. Gerade war es Abend geworden, in der Ferne verstummte der Lärm der Stadt, hinter den Hügeln verschwand die Sonne, ein Wind, kaum spürbar kam auf, da öffnete sich die Tür einer grossen Villa, eine Gestalt schritt durch den wilden Vorgarten und trat auf die Strasse hinaus. Es war, den Gewändern nach, eine Frau von zierlicher, fast unsichtbarer Gestalt und grossem, grossem Kopf.
Wenn Frau Baronin von Camanducaia ihre Röcke
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1849 wurde Rio de Janeiro von einer Gelbfieber-Epidemie heimgesucht. Es war ein schwüler, nasser Sommer. Schwarz war das Wasser in den Pfützen auf Strassen und in Hinterhöfen von den Larven der Aedes aegypti, die hier wegen ihrer hellen Streifen auf Leib und Gliedern auch Tigermücke genannt wurde. Besonders schlimm traf es das Quartier Entre Morros, das zwischen malerischen Hügeln in einer Talmulde liegend, sich in diesem Jahr in einen schwirrenden Sumpf verwandelte. Als Nachrichten von den gehäuften Todesfällen in Entre Morros den kaiserlichen Palast erreichten, verordnete Dom Pedro II. die komplette Abriegelung des Stadtteils. An den Talausgängen patrouillierten Infanterieeinheiten. Eingekesselt und sich selbst überlassen, überlebten von den ursprünglich etwa 500 Einwohnern von Entre Morros ganze zwölf.
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Der Schmerz, nicht nur einen Lieben, sondern praktisch alle ihm nahestenden Menschen zu verlieren, muss unvorstellbar gewesen sein. Zu Beginn hörten die Soldaten, die an den Zufahrtsstrassen nach Entre Morros Passanten den Ein- und Ausgang verwehrten, noch die herzzerreissenden Klagen der Überlebenden. Die schrillen, langgezogenen Schreie fuhren den Wachen zwischen Hals und Kragen und erschütterten ihr Mark und Bein. Dann wurden die Stimmen heiser, leiser, bis sie endlich ganz verstummten.
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Das Portugiesische ist, im Gegensatz zum Deutschen, eine ungefähre Sprache. Während das Deutsche nicht um den heissen Brei herumredet und möglichst rasch zur Sache kommt, indem es die Sache beim Namen nennt, umkreist das Portugiesische seinen Gegenstand. In vorsichtigen, um penible Genauigkeit bemühten Sätzen nähert es sich der Vorstellung, die es im Geiste des Lesers oder Hörers erzeugen will, von allen Seiten, kreist es ein und zieht die Schlinge immer enger. Unterdessen ist der Brei kalt geworden, der Leser weigert sich, seinen Mund für den Löffel zu öffnen, den ihm das Portugiesische hineinschieben will. Nur wenn der Brasilianer die Gitarre zur Hand nimmt und singt, findet er die rechten Worte. Seine Sprache ist die Musik, das Wort ein Instrument.
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1874 spaziert der junge Schriftsteller Artur Peixoto tief in Gedanken versunken durch die Strassen von Rio de Janeiro. Sein Weg führt ihn vorbei am Kloster von São Bento, von dort weiter in die hügelige Region von Rio Comprido bis an den Fuss des Corcovado, auf dessen Gipfel noch kein Christus steht. Peixoto ist ein begeisterter Anhänger der aufkommenden republikanischen Bewegung. In seinem Geist verfasst er glühende Manifeste und sieht den Kaiser bereits entthront. Der üppige Lebenswandel des kaiserlichen Hofes, die ausschweifenden Gewänder des Adels, der Gestank, der die Luft vergiftet, wenn Frau Baronin von Camanducaia ihre Röcke zum Grusse lupft - es ist ihm alles verhasst und ist ihm Sinnbild für die Tropen, wo ebenfalls alles fröhlich wuchert und farbig floriert, während es unter dem Laub kräftig modert. Von der Republik erhofft sich Peixoto die Erlösung von alledem. Der republikanische Geist folgt nicht den Gesetzen der Natur, er lässt sich nicht hinreissen von den Verlockungen einer saftigen Frucht, er macht sein Geschäft nicht in die Schüssel eines Sklaven in einer stickig dunklen Ecke des Palasts, sondern auf einem eigens dafür gebauten Abort. Für sein zartes Alter von 24 Jahren konstruiert Peixoto bereits recht schwierige Sätze. Seine Haut ist blass, die Stirne hoch, das Auge fahl.
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Am 7. März 1808, vor zweihundert Jahren also, traf die königliche Familie Portugals in Rio de Janeiro ein und liess sich auf brasilianischem Boden nieder. Aus diesem Anlass werden zahlreiche, in Vergessenheit geratene Bücher aus der kaiserlichen Epoche Brasiliens wiederentdeckt und neu aufgelegt. Darunter findet sich auch das schmale Bändchen “Zwischen Hügeln, ganz im Kopf” (Entre Morros, na Cabeça por Inteiro”), verfasst von Artur Peixoto nach der Rückkehr von seinem Spaziergang zwischen den Hügeln von Rio de Janeiro.
Kein Frankreich, kein Kolumbien, kein Vietnam
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Als ich mit meiner Kolumne auf P.-’s Veranda begann, ahnte ich nicht, in welche Situation sie mich bringen würde. Nach nur etwas mehr als einem Monat schreibe ich mich bereits um Kopf und Kragen, die Nerven liegen blank und ich habe nicht den blassesten Schimmer, wie ich da wieder hinausfinden soll.
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Auf seinem Turmsegler schrieb Benjamin Stein kürzlich, dass er in meinen Kolumnen “den Autor durchaus als so etwas wie eine literarische Figur” verstehe. Natürlich ist er (bin ich) das - allein die Form, deren durchnummerierte Absätze eine fiktive Ordnung vorgeben, stellt eine Literarisierung dar. Wer sich dort zu erkennen gibt, das bin nicht ich. Wer mich kennt, weiss das. Wenn ich nicht am Computer sitze, bin ich nicht in der Lage, einen druckreifen Satz von mir zu geben. Ich denke Sätze nicht zu Ende. Das Ich meiner Kolumne existiert nur dort.
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Das Ich meiner Kolumne darf sehr viel selektiver in seiner Wahrnehmung sein als ich. Für ihn ist es irrelevant, dass ich heute meinen fünften Hochzeitstag feiere. Er darf es vergessen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Im Gegenzug versetzt ihn die Reduzierung seiner Welt auf einige wenige Aspekte in die Lage, diese gezielt ins Auge zu fassen und schreibend zuzuspitzen. Diese “arme” Welt ist alles, was er hat, und so hat er gar keine andere Wahl, als aufs Ganze zu gehen. Wenn er von Brasilien erzählt, geht es ihm um die Welt, denn für ihn gibt es kein Frankreich, kein Kolumbien, kein Vietnam. Wenn er über seinen religiösen Hintergrund schimpft, tut er das aus ganzem Herzen, denn er kann sich (vielleicht noch) kein Ich vorstellen, das unverkrampft mit seinem christlichen Erbe umzugehen wüsste. Wäre Benjamin Stein noch einen Schritt weiter gegangen und hätte er behauptet, der Autor, der sich in meinen Kolumnen zu erkennen gibt, sei eine fiktive Figur, ich hätte ihm sofort zugestimmt.
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Fiktion ist kein Kinderspiel. Die Folgen, die dieses fiktive Ich für mich hat, sind bitter. Letzte Nacht schreckte es mich nach vier Stunden Schlaf um drei aus dem Bett. Ich war todmüde, aber an Schlaf war nicht zu denken. Die Entlarvung grosser Teile meiner Biographie als realitätsfremdes Konstrukt hat alle Pläne, die ich für mein Leben in Brasilien hatte, über den Haufen geworfen. Aber auch das muss ich sagen: So stelle ich mir Fiktion vor. Wie sie kraftvoll in die Realität hineingreift und sie verändert. Ich beklage mich nicht. Dass es mir gelungen ist, eine Figur zu schaffen, die mein Leben auf den Kopf zu stellen vermag - darauf bin ich auch ein wenig stolz.
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Hanging Lydia ist ein fiktiver Raum, ursprünglich so konzipiert, dass sich darin ein fiktives Ich als gleichwertige Figur unter fiktiven Freunden, Feinden und Statisten entfalten könnte. Während den letzten Monaten hat sich dieses Konzept leider etwas aufgeweicht. Ich habe so getan, als bilde sich hier bisweilen Wirkliches ab. Das ist natürlich Unsinn. Sie lesen hier ganze Sätze.
„Die Geschichte des Uhrenträgers“ von Michael Perkampus
Die Geschichte des Uhrenträgers führt in einem wilden Ritt aus einem Dorf im Schwarzwald voller kunstvoller Uhren und tickender Gestalten bis nach Strassburg. Wirkliches geht nahtlos über in Traumhaftes, wo der Realität Schnippchen geschlagen werden, damit sich verwirklicht, worum sich die Zeiger aller Uhren immer drehen sollten: die Liebe. Natürlich geht es auch um die Zeit, die in diesem Büchlein von 120 Seiten rasant vergeht. Es ist ein ausgesprochen gut gelauntes Buch, dicht und knapp erzählt, auch wenn es darin, wie oft bei Perkampus, um alles geht: Mit Nebukadnezar erreicht die Quantenphysik endlich auch den Schwarzwald.
Rhythmus spielt in Perkampus’ Geschichten immer eine wichtige Rolle. Das gilt auch für diese Erzählung. Es ist wichtig, dass der Leser nicht nur liest, sondern auch Perkampus’ Takt findet. Erst dann erschliesst sich auch die Grimmsche Sprache, in der hier von Franz Anton und Elise erzählt wird. Die Uhren des Uhrenträgers sind das Metronom, zu dem hier jazzig aufgespielt wird. Wer Perkampus schon einmal live an einer Lesung erlebt hat, hat sicher auch schon die Erfahrung gemacht, dass sich ein Text aus seiner Feder erst durch seinen Vortrag ganz erschliesst. Bei der Lektüre dieses Büchleins aber dachte ich zum ersten Mal: Diese Geschichte funktioniert hervorragend auch ohne ihn.
Lesen Sie es, gönnen Sie sich dieses Vergnügen.
Michael Perkampus, „Die Geschichte des Uhrenträgers“, 126 Seiten, nur EUR 9.90
Hamartom - “Was ist Sünde?”. Eine Antwort
Befreien wir die Sünde von ihrer religiösen und moralischen Bürde. Lasst uns sagen, was Sünde ist, ohne dabei an Sühne, Busse, an von Feuern umfegte Seelen denken zu wollen. Verdammen wir sie nicht, die Sünde, widerstehen wir ihr nicht länger, sündigen wir. Der Sünder ist kein Hund.
Doch welches Verständnis von Sünde erlaubte uns guten Gewissens eine solche Haltung? Sünde, wie wir sie kannten, gibt es nicht mehr. Was uns früher in der Sonntagsschule noch als Sünde vorgehalten wurde, ist heute weitverbreitete Praxis geworden. Doch heute sind die Sonntagsschulen leer, der Religionsunterricht, wo unseren Kindern das Verständnis für andere Glaubensrichtungen und Überzeugungen beigebracht wird, hat sie ersetzt. Von der Kanzel donnert zwar noch manch Priester, Pfarrer oder Prediger vom Strafgericht, doch auch hier - nur die Alten sitzen auf den Bänken, weil sie noch ein Gewissen haben.
Ich bin weit davon entfernt, diese Entwicklung schlechtzureden und zu behaupten, es ginge mit dieser Welt vor die Hunde. Ganz im Gegenteil: Es gibt keine Hunde mehr. Die Bedürfnisse der Menschheit ändern sich im Laufe der Zeit. Keiner will mehr Moral, keiner schreit noch nach Gerechtigkeit für die Gerechten. In seiner Schrift “Sünde im Jahr der Ratte”, erschienen Ende Februar im Skypaper Press Verlag, verwendet der Moraltheologe Markus A. Hediger erstmals den von ihm kreiierten Begriff “Hamartom”. Er schafft es aus dem griechischen Wort für Sünde, “hamartia”, das so viel bedeutet wie “das Ziel verfehlen” (woraus im Deutschen dann “Verfehlung” wurde, woran man erkennt, wie doppeldeutig Sprache ist, was der Propagierung der althergebrachten Moral sehr dienlich war), und dem medizinischen Terminus “Hämatom”, das im Volksmund als Bluterguss ums Auge rum ein Veilchen macht und an den Schenkeln den unprosaischeren blauen Fleck. Blutergüsse werden durch äussere Einwirkungen wie Schläge, Stürze oder Stösse bewirkt. Ausgehend hiervon schlägt Hediger vor, Sünde nicht länger als das zu definieren, was das Ziel verfehlt, sondern als das, was uns trifft. Der Sünder ist kein Hund, er ist eine Ratte, nach der man tritt.
Nach Publikation seiner Schrift legte Hediger das Amt des Moraltheologen nieder und überliess es seinem säkularisierten Namensvetter, das neue, nach der radikalten Neudefinition notwendig gewordene Sündenregister zu erstellen. Dies (und ff.) ist die Dokumentation seiner Forschungsarbeit.